»Ja, sage nur ›du.‹ Dein Mann ist ja nicht da. Auch keine beste Freundin ... Und vergißt du ganz, daß ich schon lange gestorben bin?«

»Du lebst ja – du lebst vor mir in diesem Augenblick wie in jenen Jahren, als ich, kaum erwachsen, zu meiner alten Pate Stephany kam und wir in eurem Haus über eurer Schlosserwerkstatt wohnten ... Und du Student auf Ferien, zum Examenarbeiten ... Und wenn ich konnte, lief ich hinunter in den Garten über dem Moor ... in dem der Kibitz schrie ... und die Wasserhühner pfiffen ... Und wir saßen zusammen und sahen zu, wie die Sternschnuppen fielen, und wünschten uns tausenderlei ... so lebst du ... jetzt mit einem Male, und warst doch so lange tot ...«

»Ich lebe von deinen Gnaden. Ich feiere meine Auferstehung auf deinen Ruf.«

»Ich rief dich nicht; du warst gar nicht in meinen Gedanken.«

»Dein Sehnen rief mich, du weißt's nur nicht.«

»Wie sollte das wohl zugehen?« fragte sie. »Ich weiß, daß ich träume. Ich bin im Walde eingeschlafen. Du hast dich in meinen Traum geschlichen.«

»Soll ich wieder fortgehen?« fragte er, und es war, als ob er in das Gebüsch hinüberflösse.

»Nein, nein, bleibe. Und sprich. Es ist ein so merkwürdiger Ton in deiner Stimme. Keine hat je wieder so geklungen. Und dabei hast du mir nicht einmal viel Gutes gesagt damals.«

»Es war aber alles wahr. Und darum hast du es in deinem Herzen aufbewahrt. Darum ist anderes, was deinem Sinn schmeichelt, was du gerne hörst und doch innerlich nicht anerkennst, verklungen. Heute sind die Lebendigen tot, und ich, der Tote, lebe ...«

»Du mußt nicht sagen, daß du tot bist. Wenn wir hier nebeneinander sitzen, sollst du diese Stunde ganz leben und mit mir reden ...«