»Wie einst im Mai ...« höhnte er.
»Geradeso war es immer mit dir,« sagte sie. »Wenn man ernst oder eindringlich mit dir sprechen wollte, fingst du an zu spotten.«
»Ich konnte Sentimentalität nie vertragen,« sagte er. »Du hattest immer Anlage dazu. Sonst hättest du auch später den langen Erwin, genannt ›Latte‹, nicht genommen, als er nach seiner auseinandergegangenen Verlobung Trost bei dir suchte.«
»Laß doch meinen Mann aus dem Spiel. Hat er nicht das Leben gezwungen?«
»Jawohl ... Leiter so einer großen Bank ist eine schöne Sache ... Ich wäre jetzt höchstens Justizrat irgendwo in Posemuckel – wenn ich nicht zugrunde gegangen wäre.«
»An den Weibern ...«
»Sag: am Weibe, das ist präziser ... Aber freilich Präzision und du! – Du mit den huschenden Gedanken und den phantastischen Reden ... Wie hat mein vielgeliebter Korpsbruder Erwin, die präzise Klarheit in Wort und Wandel, da wohl gestaunt! Kennen tat er dich ja kaum, als ihr heiratetet ...«
»Das ist auch nicht nötig. Dazu ist das gemeinsame Leben lang genug ... Und dann – schließlich – nach allen Versuchen, sich kennen lernen zu wollen, ist doch jedes Menschen Los die Einsamkeit ...«
»Ja – wenn der Lebensweg des sogenannten Gefährten in der Börse mündet, während die Frau Traumwege sucht und mit Toten geht ...«
»Hätte ich Kinder, wäre das anders. Aber – es ist auch so gut. Ich bin jetzt längst jenseits aller Wünsche – ich gräme mich nicht mehr – ich freue mich nicht mehr – aber ich bin zufrieden.«