»Warum denn? Der Freund kann ja für den Geschäftsmann – wie Sie sagen – sprechen.«

»Sie haben recht, liebes Kind – gestatten Sie mir diese Anrede.... Ihr Vater und ich sind wirklich nahe Freunde gewesen.... Schul- und Studentenzeit hindurch, bis zu seinem frühen Tode.... Und darüber hinaus.... Seine sorgende Freundschaft hat mir mein Leben aufbauen helfen.... Und nun hören Sie gut zu, um was es sich handelt, damit Sie sich überlegen können, ob Sie meine Bitte gewähren wollen.«

Ich habe gut aufgepaßt, und mir, was ich nicht gleich verstand – denn es war mir alles neu – wiederholen lassen. Die Sache ist folgende, ich mache sie mir im Aufschreiben noch einmal klar:

Mein Vater hat seinem Freunde Hillmann, der damals ein unbekannter und vermögensloser Ingenieur war, und für dessen Pläne er sich lebhaft interessierte – es handelte sich um neue Konstruktionen von Brückenträgern und irgendwelchen Maschinen – kurz vor seinem Tode ein großes Kapital, 200 000 Mark auf zwanzig Jahre, mit vier Prozent verzinsbar, geliehen, – Herrn Hillmann oder seinem Rechtsnachfolger, wie es heißt.

Nachdem er gestorben war, hatte Mama zuerst die Verwaltung des ganzen hinterbliebenen Vermögens, von dem die Hälfte mir gehörte, übernommen, sich aber bei ihrer zweiten Heirat mit meinem Vormund auseinandersetzen müssen. Mein Anteil war auf Wunsch meines Stiefvaters ganz für sich niedergelegt worden. Nur das Kapital, das in den Fabriken des Herrn Hillmann festlag, war von der Teilung ausgenommen geblieben.

Man hat mir, als ich vor drei Jahren mündig wurde, wie ich mich auch ganz dunkel erinnere, davon Mitteilung gemacht. Ich habe aber auf die einzelnen Posten nicht geachtet und alles unterschrieben, was mir auf dem Gericht vorgelegt wurde. Die Zinsen sind nach wie vor an Mama gegangen, die sie dann auf mein Bankkonto eingezahlt hat. Natürlich hat mein Stiefvater das besorgt, denn Mama versteht von diesen Dingen noch weniger als ich.

Nun sind in einem halben Jahre die zwanzig Jahre um, und Herr Hillmann hat auf seine Anfrage von Papa eine Kündigung des Anteils von Mama erhalten. Das ist ihm im Augenblick sehr unangenehm, da er mit seiner ganzen Kapitalkraft auch außerhalb der eigenen Maschinenwerke in großen Unternehmungen festliegt. Er ist darum nach Gastein gegangen, um durch persönliche Rücksprache eine Verlängerung von fünf Jahren zu erwirken.

Mama wäre in Erinnerung an die alte Freundschaft wohl nicht abgeneigt gewesen, seinen Wunsch zu erfüllen, aber mein Stiefvater hätte klipp und klar und mit Gründen, gegen die er, Herr Hillmann, nichts hätte erwidern können, alles abgeschlagen. Meinen Entschluß wolle er in keiner Weise beeinflussen, das Geld seiner Frau müßte er aber unter allen Umständen herausziehen.

Da hätte Mama ihm den Rat gegeben, mit mir zu sprechen, da für mich die Erwägungen, die für sie als Familienmutter ausschlaggebend wären, nicht in Betracht kämen. Vielleicht, so hätte sie gemeint, würde ich gern an die Stelle meines verstorbenen Vaters treten.

Das zu tun, und auch Mamas ihm entzogenen Anteil, wenn irgend möglich, aus meinem anderweitigen Kapital zu ersetzen, wäre, kurz gesagt, seine Bitte an mich. Das Geld stände sicher, ich erhielte es verzinst wie bisher, und ihm erwiese ich eine Gefälligkeit, für die er mir stets dankbar bleiben würde.