»Dummes Volk, was wollt ihr eigentlich von mir?« dachte er mit wehmütigem Lachen – »wenn die anderen nicht kommen – die beiden Alten – der Merten – und alle, alle, mit denen ich in der Erinnerung was zu tun gehabt habe.«
Nein, die kamen nicht. Auch die kleine schwarze Käthe kam nicht. Und die anderen, die eben noch um Heinrich Biester – oder, wie er schon seit langen Jahren hieß, »Enrique Bisterro« – herumgegaukelt waren, die verschwanden auch. Und nun lag der Marktplatz wieder leer und sonnendurchglüht da wie jeder andere in jedem anderen eingeschlafenen Landstädtchen um die Mittagstunde.
Ein paar Hunde, die in dem schmalen Schattenstreif an den Häusern die Einsamkeit bewachten, wurden auf den fremden Mann aufmerksam. Der Wolfsspitz, der sich ihm zunächst sielte, stand auf und fing zu bellen an.
Da öffnete sich das Fenster in einem niedrigen ersten Stock, und eine junge Frau mit großen, verschlafenen Augen sah auf den noch immer stille Stehenden. Sie rief etwas ins Zimmer, da kam auch ein Mann mit rotem, verarbeitetem Gesicht, und beide fragten voller Staunen ohne Worte herunter: Was willst du denn hier? Was suchst du denn hier? ...
Ja, was wollte er hier? Er ging nun weiter auf das einzige größere Haus zu, das neben dem alten Ordenstor in tiefem Schatten stand. Es war die Apotheke, und dahin wollte er....
Sein eigenes Haus – auch eine Apotheke – in Entechua in Caracas, war ein leichtgebautes Holzhaus mit herumlaufenden Veranden. Er hatte mit der Zeit aus der schmucklosen Bude, die er vorgefunden, mit den reichlichen Mitteln, die er daran wenden konnte, etwas sehr Zierliches, Hübsches und Zweckmäßiges gemacht.
Sogar seine Frau, Doña Eustachia, von der doch alle Welt wußte, daß sie sehr große Ansprüche an Behaglichkeit stellte, war mit ihrer Hazienda sehr zufrieden, und wenn sie gut aufgelegt war, lobte sie ihn wohl auch einmal für sein Bauwerk und nannte ihn einen destinguido arquitecto.
Das schönste an seinem Besitztum aber hatte ihm die Natur geschenkt. Der Blick auf die mächtigen Bergschroffen war von einer unerhörten Großartigkeit, und von dem weiten Bogenfenster seiner Offizin aus sah er beständig eins der herrlichsten Bilder der Welt: den Bergpfad, unten von schaukelnden Yukkas bestanden, weiterhin an einer halben Kehre in geheimnisvollem Blau verlaufend. Menschen und Tiere, fremdartig und bunt gekleidet und gezäumt, belebten ihn.
Und alle trugen ihm Brot hinunter ins Haus.
Er war heute ein reicher Mann, verglichen mit seinem ehemaligen Prinzipal hier, obgleich der für ihn doch damals schon längst zu den oberen Zehntausend gehört hatte.