»Ach nein,« pflegte er dann zu erwidern, »die Sonne ist hier zu stark. Mein Organismus ist auf so viel Glut nicht eingerichtet.«

Allmählich, als die Jugend Abschied genommen hatte, fing er auch körperlich zu kränkeln an. Das Fieber kam. Es warf ihn nicht ganz nieder, es riß nur immer ein bißchen an ihm herum. Er konnte seines Lebens gar nicht mehr froh werden.

Und seine Freunde, der »große« französische Arzt Terrifet, der einen neuen Nasenspiegel erfunden hatte, und der gute, kleine deutsche Pastor, der aus lauter Selbstzucht und Tugend nur einmal im Jahr in seinem vergötterten Gottfried von Straßburg las, beratschlagten, was sie mit ihm anfangen könnten. Weil neuerdings in seinen halben Fieberreden die alte Apotheke in der deutschen Heimat mit dem dunklen Holzgetäfel und den breiten Bänken wieder auftauchte, faßten sie nach vielem Hin- und Herdenken den Entschluß, ihn zu einer Erholungsreise in das Jugendland zu überreden.

Doña Eustachia, im Lauf der Jahre sehr fromm und sehr dick geworden, hatte den Torheiten der Eifersucht auf fremde Weiber und fremde Länder längst entsagt. Sie redete darum mit den Freunden eindringlich auf den armen Señor Enrique ein, sorgte in ungewohnter Hausmütterlichkeit für äußerliche Reisebequemlichkeiten und versöhnte sich sogar mit dem assistente, der ihr sonst ein Dorn im Auge, weil er kein Messenläufer war ...

Und so kam es denn, daß sich Señor Enrique Bisterro nach einer wie im Traum vergangenen Fahrt, nach zwanzig langen »süß und bitteren« Jahren an diesem heißen Julivormittag auf dem Marktplatz in Bartenberg und vor der dunklen Tür seiner alten Apotheke als Heinrich Biester wiederfand ...

Nun stand er da und sah mit übergehenden Augen auf den blanken Messingklopfer, der ihn ehemals in der Nacht oft aus beginnendem Schlaf geschreckt hatte. Schwerfällig ging er die zwei ausgetretenen Steinstufen hinauf. Es war nicht Sitte, bei Tage mit dem Löwenkopf an die Tür zu hämmern, denn sie war nur nachts geschlossen. Das hätte er wohl noch wissen können, aber in Gedanken tat er's doch und erschrak zugleich über den hallenden Klang.

»Mit solchem Geräusch in die alte, stille Halle zu kommen,« dachte er unwillig und drückte die Klinke auf. Aber sie gab gar nicht nach, bis endlich auch von innen dagegen gedrückt wurde. Erst dann ging sie auf, und er bohrte die gierigen Augen über die Person weg, die ihm geöffnet hatte, in das dunkle, kühle Paradies seiner Träume.

Ein paar brennende Tropfen waren ihm über die Backen gelaufen, ohne daß er darauf geachtet hatte – aber nun, nun stand er wie erstarrt da und sah und sah ...

»Wer sind Sie denn, und was wünschen Sie?« fragte man ihn.

Er schob die Fragende beiseite und sah wie verzaubert um sich.