»Wer ist denn Hellmund?«

»Ach ja, Sie können das ja alles nicht wissen. Der Vater ist doch ganz alt und sehr müde. Manchmal könnte man denken, sein Geist wäre nicht mehr ganz, – aber dann merkt man doch wieder, daß er – wie soll ich das sagen? ... daß er bloß so schläft. Und Hellmund ist schon sechs Jahre da und besorgt alles – und die neue Apotheke gehört zur Hälfte ihm ... und wir ... und ich ...«

Sie hielt befangen inne. Aber Heinrich Biester merkte darauf nicht.

»Der Vater ...« Er strich ein paarmal aufgeregt über den ergrauenden Bart. Ja, nun kam man doch wieder auf wirklichen Boden. Nun war die Stunde da, wie er sie sich unterwegs oft ausgedacht hatte. Nun stand er alsbald dem Mann gegenüber, dem er das Recht gab, ihn abzuhören, ob er seine Lebensaufgabe auch gut zu Ende gebracht hätte.

Wie gut es nach dem phantastischen Begebnis der letzten Viertelstunde tat, sich wieder darauf zu besinnen, daß er vorzeiten hier gescholten und gelobt und von einer festen, aber warmen Hand hin und her geschoben worden war, bis er sich allein hatte zurechtfinden müssen!

»Ja, ja, Justinchen, führen Sie mich zum Vater ... Kommen Sie ...«

»Ich muß es ihm erst sagen ... und dann ist doch auch Hellmund bei ihm.«

»Ich werde ihn doch allein sehen und sprechen?« fragte er ängstlich.

Sie nickte und ging steif und gerade an ihm vorüber nach der Tür, die früher zum Laboratorium geführt hatte. Sie war niedrig, und der Prinzipal hatte sich immer bücken müssen, wenn er in den Laden trat.

Heinrich Biester vernahm den erstaunten Ausruf einer tiefen Männerstimme und ein Geräusch, als ob ein Stuhl rasch beiseite geschoben würde. Dann öffnete Justine die Tür, und er konnte eintreten.