Vor dem Fenster, an dem ehemaligen Platz des Experimentiertisches, sah er einen Krankensessel mit einem Schachtischchen davor und flüchtig einen weißhaarigen Kopf. Vor dieses Bild aber drängte sich ein junger, großer, massiver Mensch mit einem derben, roten Gesicht und lustig blitzenden Augen. Der streckte ihm beide Hände entgegen, und in seiner dröhnenden Stimme klang ein Ton warmer Herzlichkeit.

»Also, es geschehen wirklich Zeichen und Wunder,« rief er. »Nein, nein, Gott! Hat das phantastische kleine Frauenzimmer doch wahr und wahrhaftig recht behalten ... Ich geh schon, Goldchen – sehen Sie, wie sie mir winkt. Natürlich sollen Sie den Vater für sich haben, aber da der zum erstenmal eine längere Sitzung nicht vertragen wird, hoffe ich, Sie nachher zum Frühstück bei mir zu sehen, Herr – oder wie sagt man auf spanisch? – Señor Enrique – nicht? Wiedersehn! – Wiedersehn!«

Und er ging, sich bückend wie früher Herr Prang, durch die niedrige Tür und streichelte vorher noch im Vorübergehen dem still dastehenden Justinchen mit seiner großen, runden Hand das farblose Gesicht. Heinrich Biester empfand das lärmende, gesunde Leben, das sich hier an der Stätte seiner Träume breitmachte, wie einen Mißton, aber nur für eine Sekunde, denn aus dem Lehnstuhl winkte ihm der Mann, der klein, mager und zusammengekauert darin ruhte.

Scharfe, doch ausgeblaßte Augen blickten ihm aus einem runzligen Greisengesicht entgegen, und an diesen Augen allein erkannte er den hohen, gebieterischen Mann, mit dem er sich in den Nächten daheim auf spanisch unterhielt.

»Sieh, sieh,« sagte dieser fremde Greis mit klangloser Stimme, »das also ist der Strudelkopf ... der Lockenkopf ... der Ausländer, für den die imprägnierten Palmen in meiner alten Apotheke wachsen ... Komm doch mal her, mein Sohn ... die Justine sagt, du bist der Heinrich Biester – aber mir scheint, wir erkennen uns nicht mehr ...«

»Doch, doch,« sagte Heinrich Biester eifrig, »die Augen ... und der ganze Ton ...«

Er nahm die welke, kalte Hand, die matt heruntersank, als er sie losließ. Dann schwiegen beide. Aber die Blicke des alten Mannes bohrten sich in das Gesicht seines Gastes mit eigenem, hellseherischem Spähen. Sie leuchteten auf und erloschen dann ganz schnell.

»Justine,« rief Heinrich Biester ängstlich, aber die blieb an ihrem Platze.

»Sprechen Sie nur etwas,« sagte sie, »dann ermuntert er sich.«

»Herr Prang,« sagte da Biester, »ich habe mich so auf dieses Wiedersehen gefreut. Ich habe Ihnen so viel zu erzählen, Sie glauben ja gar nicht ...«