Der alte Mann ließ den Kopf mit den halbgeschlossenen Augen auf der Lehne seines Stuhls liegen.
»Ich hab's schon gesehen ... alles ... dir ist's nicht gut gegangen, mein Sohn ...«
»Mir ist's doch aber sehr gut gegangen, Herr Prang,« sagte Heinrich Biester verwirrt.
Herr Prang machte nun die Augen wieder auf und hob die müden, weißen Hände.
»Erzähl davon den Kindern ... der neuen Zeit, mein Sohn,« sagte er mit der ausgeklungenen Stimme. »Die Schubfächer in meinem Kopf sind alle voll ... Mit deinen grauen Haaren und dem ausgetrockneten Gesicht krieg ich dich nicht mehr herein ... Ich hab' dich drin, wie du noch ein lieber, leichtsinniger Junge warst und meine Käthe nicht bekamst ... Nachher, wie meine Frauenzimmer den Señor Enrique Bisterro mit Indianerfedern und Heldentum aufputzten, da hab' ich ja noch ein Weilchen mitgemacht, so aus Spielerei – ich alter Hansnarr ... Aber jetzt – nehmen Sie's mir nicht übel, lieber Heinrich Biester, ich werde mich schon auch noch freuen, wenn Sie wiederkommen ... aber ich bin ein sehr alter Mann ... ein sehr alter Mann, und die weiße Verschalung auf meinem schönen Mahagonigetäfel ... Sehen Sie mal zu, daß Sie die abreißen und auch das ganze staubige Zeug samt den Schmetterlingen und den Palmen, und dann wird ja auch die Justine mit ihrem Hellmund wie andere Leute ...«
Da flatterte Justine in ihrem weiten, weißen Kleid heran und sagte mit ihrer hohen und klingenden Stimme: »Die Justine wird gar nichts. Wenn man sein lebelang unter Palmen gewohnt hat ...«
Der Alte winkte ihr zu schweigen und gab Heinrich Biester die Hand.
»Glauben Sie nicht, Sie Weitgereister, daß es sich auch unter einem schönen, strammen Lindenbaum gut hausen läßt?« sagte er, und ein halb wehmütiges, halb verschmitztes Lächeln lief über sein runzliges Greisengesicht.
Eine Antwort erwartete er aber nicht. Er behielt die Hand seines Gastes noch einen Augenblick in seiner, kroch dann in sich zusammen und fing an zu murmeln: »Wenn du wieder so spät nach Hause kommen wirst – mein Junge ... warte mal ...«
Heinrich Biester hatte es verstanden. Es war wie das Gespenstchen der Stimme von früher, und das rief allerlei Fremdes und Empfindsames in ihm an.