Jedenfalls ist ihr eine Last von dem hin und her gezerrten Herzen gefallen, und sie wird sicher mit der frohen Steigerung ihres Wesens, die sie immer so liebenswürdig macht, die nächsten Wochen in Gastein genießen.

Ich aber bin nach fröhlichem Abschied von Davos, – von dem Hofrat, den ich gar nicht, dem Doktor Herholz, den ich sehr gern mochte, heute früh abgereist und, einer plötzlichen Eingebung folgend, in Weesen ausgestiegen und anstatt in Zürich in Glarus gelandet.

Das ist so gekommen:

In meinem Coupé sprachen zwei Herren von einer gewaltigen Arbeit, die man eben im Glarnerland, im Klöntal, unternähme. Man staue einen großen Bergsee, mache sein Gefälle höher und gewänne durch eine Leitung, die bis nach Zürich ginge, eine ungeheure Kraft, die industriell verwertet werden solle.

Nie im Leben hatte ich etwas Ähnliches gehört und, ich weiß nicht, als mir der Gedanke durch den Kopf schoß, was es nun alles für mich auf der Welt zu sehen und zu erleben gäbe, war ich auch schon entschlossen, mir diese Sache, die mir ganz ungeheuerlich erschien, zu betrachten.

Vielleicht hat bei diesem plötzlichen Entschluß auch ein klein wenig die Abneigung gegen das in Zürich von dem »Ministerialdirektor« bestellte Zimmer mitgesprochen, jedenfalls sitze ich hier in Glarus mit meinem glücklicherweise ausreichenden Handgepäck, während das große nach Zürich weitergereist ist.

Und ich freue mich ... Freue mich des einfachen Zimmers, das man der einzelnen Dame ohne Koffer angewiesen hat, freue mich meiner Selbständigkeit und meiner Einsamkeit. Ich möchte die große, gierige Lebensfreude, die in mir rumort, hinausschreien, und doch ist mir's gerade recht, daß kein Mensch da ist, in dem sie wiederhallt.

Ich brauche niemand auf der Welt, wie mich niemand braucht.

Ich stelle mich ans Fenster, und der Glärnisch mit dem Mondgeriesel über seiner machtvollen nächtigen Schönheit gibt mir, was ich in diesem Augenblick nötig habe – so an der geöffneten Tür zu Leben und Welt....