Nach traumlos durchschlafener Nacht ein halbes Erwachen voller Beklemmung und Bangen. Vergebliches Suchen nach der heißen Milch ... Die Hand greift nach dem Fieberthermometer ... Schwester Marie ist nicht da ...

Ach, und dann die Seligkeit! ... Das ist ja alles vorbei für immer oder – seien wir vernünftig – für lange Zeit ...

Ich habe gefrühstückt, einen Wagen bestellt, um ins Klöntal zu fahren, und warte nur noch auf meinen grünen Schirm, dessen Stock mir der Portier gestern zerbrochen hat, und den ich heute repariert zurückerhalten soll.

Die Sonne liegt schon mit voller Glut auf den Bergen und in den breiten, nüchternen Straßen der Stadt. Die Stimmung von gestern abend ist's nicht, aber dafür zittert eine satte Sommerfreude in der klaren Luft. Wär' ich nur schon draußen! ... Nein, so gut ist mir's nicht geworden.

Eine Depesche. Da liegt sie neben mir auf dem Tisch und mahnt: hinter den Bergen wohnen Leute, die sich wie ein Keil in das drängen, was sich eben in mir zusammenfügen will aus dem Durcheinander, das Krankheit und Einsamkeit in mir geschaffen haben ... Natürlich Mama – natürlich sehr lang – das spart einen versprochenen Brief, der nicht geschrieben wird, was der Ärmsten dann doch wieder ein paar schlaflose Nächte macht....

»Warum Glarus? Bitte jetzt jedenfalls dortbleiben. Kommerzienrat Hillmann, Jugendfreund deines Vaters, mit Sohn wollten dich Zürich aufsuchen, kommen nun Glarus. Bitte herzlich aufnehmen. Näheres brieflich. Soll ich Edina schicken? Treue Grüße. Mama.«

Unglaublich ..., unerhört ... Hätte ich doch auf den Schirm nicht gewartet – dann wäre ich jetzt unterwegs, erst übermorgen zurückgekommen, und die eiligen Herren, die die Familie mir auf den Hals schickt, hätten das Nachsehen gehabt. Was können sie denn von mir wollen? Ich habe zwar eine Verbindung mit »Hillmann«, aber nur eine in Geldsachen, und ich weiß im Augenblick nicht einmal, welcher Art.

Was hindert mich übrigens auch jetzt noch, einfach meiner Wege zu gehen?

Mamas Bitte?

Nein ... Mama ist eine liebe, fremde Frau, die sich bereitwillig unter das Joch des »Ministerialdirektors« geduckt hat und nur manchmal aus ihrem behaglichen Nest nach ihrer verlassenen Ältesten angstvoll hinüberstarrt ... Ach ..., ich klage sie nicht an. Ich klage niemand an, aber ich habe sie mir alle abgewöhnt – jeden einzeln und die ganze Familie zusammen.