Dabei sagte sie sich täglich und stündlich, daß sie zu der engsten Lebensgemeinschaft, der Ehe, verurteilt sei.
Der Gatte, den sie wählen würde, sollte nach Königsbestimmung den Namen Terkuhn tragen – auf ihr lag die Verpflichtung, das alte, heilige Geschlecht zu erhalten.
Wo aber war der, den sie als würdig betrachten konnte, ihren Namen zu führen und Vater ihrer Kinder zu werden? So eifrig sie auch im Geheimen mit ihren hellen Augen Umschau gehalten hatte, bisher war es unmöglich gewesen, einen Mann zu finden, den sie in eine Reihe mit »ihresgleichen« hätte stellen können.
Ihr Herz hatte nie, ihre Sinne ein paarmal gesprochen.
Einmal, vor mehreren Jahren, war es ein hübscher, rotköpfiger Stallknecht gewesen, zu dem eine unerklärlich heiße Wallung sie gezogen hatte. Als sie merkte, daß dieses Fremde in ihr sie überwältigen wollte, hatte sie dem ahnungslosen Burschen bei einem geringfügigen Versehen, das er begangen, die Reitpeitsche um die Ohren geschlagen und ihn davongejagt.
Das andere Mal kam eine standesgemäße Verirrung. Der bekannte Don Juan, Graf Revetzow, der als Reichstagskanditat des Bundes der Landwirte seine Besuche in dem Kreise machte und mit seiner glänzenden, draufgängerischen Persönlichkeit auch trotz höherer Semester eine ständige Gefahr für das ewig Weibliche geblieben war.
Seine festen Händedrücke, seine heißen Blicke und gewagten Worte, bei ihm Klischee, für Adalisa von Terkuhn eine neue, seltsame Erfahrung, verursachten ihr noch längere Zeit in der Erinnerung eine schwindelnde, wonnige Sehnsucht.
Aber der Graf war Familienvater, wohnte weit ab und kam nie wieder. Da erlosch das Feuer, das er angezündet hatte allmählich, und die kühle, verständige Gattensuche der letzten Jahre begann von neuem.
Und immer und immer vergeblich. Und es wurde Zeit, Ernst zu machen. Sie hatte ihren 30. Geburtstag gefeiert, und es verging kein Tag, an dem ihr Vater von seinem Rollstuhl aus ihr nicht ein paar rohe, wie Peitschenhiebe treffende Worte über ihr vergebliches Bemühen und ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ins Gesicht geworfen hätte.
Da sah sie sich denn auch in weiteren Kreisen um, wo sie es konnte, ohne ihrem Hochmut allzu große Opfer aufzuerlegen. Auf Pferdemärkten, auf den Rennen in Königsberg. Sie hatte sich bei einem Besuch des Kaisers in der Provinz vorstellen lassen; und überall, schön, scheu und abstoßend wie sie war, hatte sich dasselbe Spiel wiederholt, das sie nun seit Jahren kannte. An den Tagen nach solchen Festlichkeiten, denen sie, stilgerecht und kostbar gekleidet, beigewohnt hatte, häuften sich Blumen und Briefe, von fremden Namen unterzeichnet, in denen man ihr Herz und Hand zu Füßen legte. Zähneknirschend buchte sie es dann jedesmal, daß nur die Minderwertigen sich ihr näherten und suchte und suchte weiter.