Sie fing an, auf den Zufall zu rechnen, und seit vor acht Tagen die Meldung der Einquartierung gekommen war – in dem abgelegenen Winkel eine Seltenheit – beschäftigten sich ihre Gedanken auch mit diesen in ihren Gesichtskreis tretenden Männern, die als Offiziere und adlig, wie sie annahm, immerhin in Betracht kommen konnten.

Sie war ihnen am Morgen mit Absicht entgegengegangen, um sie, selbst ungesehen, zu beobachten, und in der Wut über diesen unwürdigen Entschluß, vielleicht auch darüber, daß sie von keinem der drei den gewünschten Eindruck empfangen, hatte sie auf den wildernden Hund gezielt.

Jetzt war es ihr übrigens doch lieber, daß sie ihn nicht getroffen hatte. Es wäre ein peinliches Zusammenkommen gewesen, die Entschuldigung schon jetzt nicht angenehm, solchen gleichgültigen und ungeladenen Gästen gegenüber. Dem, der den Terrier mit sich schleppte, grollte sie geradezu. »Warum kommt keiner wie du?« dachte sie, voll von der neuen Enttäuschung vor dem Bilde des Fahnenjunkers stehen bleibend. »Und warum muß ich wie eine Hündin hinter den Männern herlaufen, die ich verachte?«

Es klopfte. Fräulein Lena trat ein.

»Was wünschen Sie?«

»Ich wollte fragen, ob das gnädige Fräulein noch einen Blick auf die Tafel werfen möchte ... und dann wegen der Plätze ...«

»Der Tisch interessiert mich nicht – und die Ordnung? Mich führt natürlich der Hauptmann und rechts der Nächstälteste ...«

»Das wäre der Stabsarzt ...«

»Warten Sie mal ... wer ist denn mit einer Töle angekommen? Den möchte ich nicht an meiner Seite haben. Den können Sie sich nach unten nehmen.«

»Der Stabsarzt hatte, so viel ich sah, einen Hund bei sich, den er dem Burschen übergab,« sagte Fräulein Lena ein klein wenig enttäuscht. »Dann käme also der Leutnant von Wachowski rechts vom gnädigen Fräulein.«