Ob's nicht an der Zeit war, ihr und ihrem vis-à-vis das deutlich zu machen? Ein dunkler Instinkt warnte sie, und sie schwieg, während heiße Wellen von Groll und Neid in ihr auf und ab fluteten.

Sie hatte, in ihre Gedanken vertieft, den jungen Leutnant so scharf ins Auge gefaßt, daß der Hauptmann in Verlegenheit geriet und sprach, ohne zu wissen was, und daß Wachowski selbst, als er es endlich merken mußte, einen halb unbehaglichen Schauer in sich aufsteigen fühlte.

Der alte Herr brach den Bann, den außer Adalisa die ganze Gesellschaft zu spüren anfing.

»Ja, warum nimmst du denn den Leutnant so aufs Korn, Adalisa?« rief er mit seiner heiseren, gebrochenen Stimme, »der bekommt ja ordentlich das Graulen.«

Nun fuhr sie zusammen und schlug die Augen nieder wie ein verlegenes, junges Mädel. Das halbe geheimnisvolle Lächeln um den großen, weichen Mund gab ihr einen plötzlichen Liebreiz, der nicht Einem ging. Dem jungen Leutnant, der eben noch voller Sehnsucht und Zärtlichkeit nach seiner Cousine geblickt hatte, begann das Herz zu schlagen, und er wartete in Unruhe auf das Wort, das kommen mußte.

»Ich suchte etwas in dem Gesicht des Herrn von Wachowski,« sagte Fräulein von Terkuhn und lächelte weiter.

»Eine Ähnlichkeit natürlich,« half ihr der Hauptmann. »Es ist sonderbar, Wachowski, erinnern Sie sich nur, wer hat nicht alles schon Ähnlichkeit zwischen Ihnen und Bekannten oder Verwandten zu finden gemeint? Ich nicht. Ich habe kein Talent dazu.«

Der Leutnant konnte sich durchaus nicht erinnern und sah sich mit fragenden Blicken um. Ihm war gar nicht behaglich zu Mute, er hatte das Gefühl, daß die hellen Falkenaugen seiner schönen Nachbarin durch die Lider hindurch in ihn hineindrangen.

Was in aller Welt konnte sie in seinem Gesicht zu suchen haben?

Ja, was suchte Adalisa von Terkuhn in diesem klaren, glattwangigen Jünglingsgesicht? –