»Du hast mein Leben schimpfiert – ich war siebzehn ...«

Wilhelm Born zuckte die Achseln.

»Und ich vierundzwanzig ... Mein Gott, Käthe, was soll es dir geschadet haben, daß wir toll und voll glücklich waren? ...«

»Gebrandmarkt hat es mich ... körperlich, seelisch verelendet ... Ein Wort von dir, ein gutes Wort in der ersten gräßlichen Zeit, und alles wäre anders gewesen ... Aber so ... Als ich nach den Sommerferien damals wieder in die Selekta kam, elend zum Sterben – und wartete und wartete ...«

»Herrgott, Käthe, das ist eine Ewigkeit her. Und du hast doch das wirkliche Leben kennen gelernt und solltest dich jetzt nicht mit kindischen Sentimentalitäten abgeben ... Außerdem hat's nie einer geahnt ...«

»Nein, ich habe mich immer nur vor mir allein zu schämen gehabt, daß ich dem ersten, der kam, alles hingeworfen habe, Jugend und Gesundheit und alles ... Einem, der es hinterher nicht einmal der Mühe für wert hielt, zu fragen ... nachzusehen ... o pfui, pfui ... das war roh ... das war schlecht ... das soll dir auf der Seele brennen ... das soll ...«

»Sei still!« befahl er. »Was verlangtest du denn eigentlich? ... Hast wohl gar, trotz der Abrede, noch an Heiraten gedacht? ... Nein, mein Kind, dazu langte es nicht ... Nicht die Kraft und nicht die Neigung ... Auf mich wartete nach ein paar Feierstunden die schwere Arbeit ...«

»Ich hasse dich, ich verabscheue dich,« sagte sie tonlos.

»So?! Weshalb kamst du denn gerade zu meiner Mutter? ... Die Welt ist doch groß genug. Und du bist jung und konntest dich auch anderswo nützlich machen. Nützlicher als hier ...«

»Wilhelm,« schrie sie und fuhr sich mit beiden Händen durch die schwarzen Haare, »wo sollte ich denn hin? Ich habe niemand, und ich bin krank ... Acht Jahre von Haus zu Haus gegangen, und immer mehr arbeiten müssen, als ich konnte ... Meine letzte Stelle wurde mir gekündigt. Da trieb mich die Not her, Wilhelm. Not und Krankheit ... Und wer konnte denn ahnen, daß du auf immer herkommen wolltest?«