»Ach nichts –« sagte er widerwillig. »Mir ist ja alles egal. Ich habe den Kopf voll von anderen Sachen ... Also tu und mach, was du willst – aber mich laß in Frieden mit Vorwürfen und Erinnerungen und solchen Geschichten.«
Sie biß die Zähne zusammen und schlug die Augen nieder.
Er sah noch einmal nach ihr. Sie stand in dem Fensterrahmen. Ihre hohe Gestalt in dem schwarzen Kleide schien das kümmerliche Dämmerlicht, das vorher noch die Stube gefüllt hatte, aufgeschluckt zu haben. Es war fast dunkel.
Einen Augenblick blieb der Doktor noch stehen. Als sie kein Wort sagte, ging er hinaus.
In der Wohnstube jenseits des Korridors brannte die Lampe. Die Mutter hantierte in der Küche nebenan.
»Ich geh' noch fort,« rief er ihr zu, »und mach dir keine Umstände mit mir, Mutterchen. Verwöhnt bin ich nicht ...«
Die alte Frau kam doch angelaufen. Sie hatte die Küchenlampe in der Hand, hob sie hoch und besah ihn.
»Und das is mein Kind ... mein Jung' ...«
»Ja, das ist dein Jung'. Und nun setz mal die Küchenlampe hin und nimm seinen alten, häßlichen Kopf in deine Hände und wünsch ... Ach – das ist ja alles gräßlicher, sentimentaler Unsinn ... Guten Abend! Und wenn ich wiederkomme, Mutter, laß mich still in dem alten Großvaterstuhl sitzen ... Und allein wollen wir zwei den ersten Abend sein, ohne Fremde, ja?«
Damit lief er hinaus.