Und lief durch das Städtchen. Vorbei an der verwitterten Mauer des Amtshofes, die ehemals den Zuggraben der alten Ritterburg eingefaßt hatte, den Landweg zur Oberförsterei hinunter und dann entlang an den weiten Mooren, aus denen raschelnde Schilfbüschel aufstiegen, über die verspätete Wasservögel geräuschlos strichen, deren jenseitige Ufer schwarzes Kieferngestrüpp, zwerghaft und häßlich in den Umrissen, abgrenzte.
Trostlos, einsam, reizlos ... Ein dunkles Bild, von laufenden Abendschatten überhuscht, mit gelben, verblassenden Lichtern am Horizont spärlich gefleckt, eine Welt verkörpernd, aus der Freude, Hoffnung und Vorwärtsstreben gewichen sind.
Dieses Bild begleitete den Doktor Born, der frierend den Fußweg am Ufer entlang ging, der scheuen, widerwilligen Blicks aufsog, was sich um ihn ausbreitete und der zuletzt auf dem Rückwege, als es immer dunkler und stiller wurde, die Fäuste ballte und abgebrochene Worte vor sich hin sprach. Als er wieder in die Stadt einbog, waren schon die Laternen angesteckt. Sie brannten trübe und in langen Abständen, und alles sah weiter und größer aus in diesem ungewissen Licht.
Auch sein Elternhaus. Die Fenster darin waren dunkel, nur aus dem der alten Kontorstube fiel ein gelbes Lichtherz durch den Ausschnitt der Holzläden auf die Straße.
In Gedanken starrte er darauf hin, dann ging er zum Torweg und machte die Tür auf.
Die Einfahrt war ganz dunkel. Auch die Hoftür schien geschlossen, nur ein paar trübgraue Streifen fielen als einzige Lichter durch ihre Ritzen in den Raum.
Doktor Born tastete die Wand entlang.
Da drängte sich etwas an ihn. Er fuhr zurück. Da schlangen sich ein paar Arme um ihn, fest und weich.
»Wer? ... Käthe?« ...
»Wilhelm, ja, ich bin es ... Wilhelm, ich sah dir vorhin nach, als du über die Straße gingst. So elend – so elend ... Ach ... Wilhelm – da hab' ich auf dich gewartet ... Du kamst ja immer durch die Einfahrt ...«