Frau Erika hatte natürlich keine Ahnung von dieser Abweichung ihres Gatten über den geraden Weg der ehelichen Treue hinaus, – wenn auch der Verkehr zwischen der Eichstädter und der Bendlerstraße telephonisch ein ziemlich reger war.

In der Abwesenheit des Hausherrn besorgte ihn die treue Lina, die Jungfer der Frau Erika, – eine Person, auf die man sich in jeder Hinsicht unbedingt verlassen konnte, wie Frau Lohrer gleichgültig und gläubig annahm und wie Herr Doktor Lohrer ausgiebig erprobt hatte.

... Es war ein Novembervormittag und ein launenhaft aufspringender Wind peitschte große Regentropfen auf das Glasdach des Ganges, der in der Lohrerschen Wohnung die hinteren mit den vorderen Räumen verband. Dieser Gang enthielt auch die Telephonzelle, aus der eben die treue Lina auf die Diele hinaustrat, auf der sie den Schritt des heimkehrenden Herrn gehört hatte.

»Ob Herr Doktor um 7 Uhr in der Eichstädter Straße erwartet werden dürfte?« fragte sie mit dem vorschriftsmäßig bewegungslosen Gesicht, dem nur ein kleiner, schräg glitzernder Seitenblick die Andeutung vertraulichen Einverständnisses gab.

»Wollen sehen – glaube kaum, Lina.«

Sie nahm ihm den nassen Überrock ab. –

»Grauenhaftes Wetter ... Nichts passiert?« ...

»Gnädige Frau hat Besuch.«

»Besuch? ... Jetzt? ... Die gnädige Frau empfängt doch nur Dienstags ... Und mit ihrer Erkältung! ... Wer ist's denn?« ...

»Eine ... Dame ... Sie trägt Reform ... Das ... das ist ihr Regenschirm.«