Sie fuhr auf ... Was war das? ... Sie phantasierte ja am hellen Tage ... Sie wollte vielleicht doch den Arzt kommen lassen.
Sie stand auf, um zu ihrem Telephon an den Schreibtisch zu gehen.
Da trat die treue Lina ein.
»Herr Doktor telephonieren eben, gnädige Frau möchte nicht vergessen, die Erkundigung Eichstädter Straße 9 einzuziehen ...«
»Eichstädter Straße 9?« fragte Frau Erika. Die treue Lina senkte bestürzt die gefärbte Tolle. Sie hatte den Auftrag eben von der Eichstädter Straße aus bekommen und, in Gedanken noch dort, diese vielgebrauchte Adresse versehentlich ausgesprochen.
»Ach nein ... nicht Eichstädter – Heilbronner Straße.«
»Ja gut, Heilbronner, ich hab's ja notiert,« sagte Frau Lohrer. »Bringen Sie meine Sachen, ich will dann gleich hin ...«
Sie mußte sich zusammennehmen ... Der Doktor hatte bis morgen abend Zeit ... nach dem Tee bei der Ministerin.
Es war schwer, mit den stechenden Schmerzen in der Brust, gegen den Wind anzukämpfen, und in den Gliedern lag's ihr wie Blei.
Alle melancholischen Schauer eines grauen Novembernachmittags gingen um ... Der erste Schnee war in losen Flocken gefallen und auf dem Pflaster zu schmutzigem Wasser geworden. Schwere, bleifarbene Wolken drückten sich immer tiefer in die Straße hinein, und ein leise winselnder, müder Wind versuchte hier und da vergebens, sie aufzujagen.