Es war noch früh, aber trübe Dämmerung verwischte die Umrisse der Häuser und Bäume. Menschen und Gefährte bewegten sich wie Schatten.

Von aufspringenden und wieder verschwindenden Gedanken gequält, ging Frau Erika ihres Weges, und weiter, als sie beabsichtigt hatte. Mitten in der Potsdamer Straße fiel ihr ein, daß sie mit ihren Brustschmerzen eigentlich gar nicht gehen durfte, und sie stieg in ein Auto.

Die zuletzt gehörte Adresse klang noch in ihren Ohren, und sie nannte sie: »Eichstädter Straße 9.«

Die Gegend, in die sie kam, war ihr fremd.

Phantastische Formen sprangen aus dem zitternden Nebel auf. Hier glitzerte ein Goldbeschlag aus massigen Steinen heraus – da grüßte eine fratzenhafte Maske mit aufgerissenem Rachen von einem hohen Torpfeiler herunter ... dort hob sich eine schwere schmiedeeiserne Einzäunung, hinter der Zypressen wuchsen, und nun ein Goldgitter ...

Wo war sie? ... Das Auto hielt. Sie zahlte mechanisch.

Aus dem Eingangstor des Hauses, vor dem sie stand, fiel ein breiter, blutroter Schein auf das nasse Pflaster und rang mit dem blendenden Lichte einer großen elektrischen Kugellaterne, die eben aufflammte.

»Alles Neubauten,« sagte ein Gedanke in dem fiebernden Hirn der kranken Frau. Und weiter:

»Wie bin ich hierher gekommen, so weit ab von meiner Wohnung ... und was will ich hier? ... Ach, das steht in meinem Notizbuch.« ...

Und Frau Erika drückte auf die Glocke.