»Auf Ehre!« Die warme, mollige Frauenhand drückte kräftig die ganz kalt gewordenen Mädchenfinger. »Ich jratuliere, Kind! Der Scheffler ist reizend, so jibt’s jar keinen zweiten mehr!«

»Aber Papa will doch nicht!« Schon wieder senkte die Kleine betrübt den Kopf. »Er schilt immer so, wenn Egon Besuch macht. Ach, wann soll sich Egon denn erklären?«

»Och, der!« Die schöne Witwe schlug eine helle Lache auf. »Der findt schon en Jelejenheit!« Und dann flüsterte sie vertraulich: »Heut kommt er her – janz bestimmt – um zwei Uhr hat er Diner bestellt – kannste nit mal vorkommen, so janz wie von unjefähr?«

Er kam, er kam! Selig strahlte Hedwig. Aber hier herkommen?! Nein, das tat sie nicht.

Helene zuckte die Achseln: »Jott nee, so etepetete?! Aber wat tut man nit für verliebte Leut! Der Scheffler is ja ’ne alte Freund von mir, und – weißte wat, Hedchen?« Flüsternd neigte sie ihr hübsches Gesicht auf das des jungen Mädchens herunter, daß dieses den ganzen warmen Duft, den ganzen süßlichen Parfümgeruch einatmete, der die schöne Frau immer umwogte. »Weißte wat, sei heut nachmittag, so um fünf erum, in eurem Jarten – mach die Jattertür auf, dat er nit zu schellen braucht – ich schick ihn hin – dann könnt ihr euch jut aussprechen. Wenn ihr erst emal einig seid, muß der Alte auch ja sagen. Haste mich verstanden? Um fünf, nach dem Diner – dat is heut sehr fein, Sekt trinkt er auch – ich schick ihn – –«

Sie fuhren auseinander. Es kamen gerade Bekannte die Straße entlang, und der erste Wagen mit Gästen fuhr beim Schwan vor. Hedwig hatte nur noch gerade Zeit, bedeutungsvoll ›Ja‹ zu nicken. Jetzt gab’s keine Bedenken mehr. –

Eine Stunde später strömten die Gäste schon. Wagen auf Wagen, und die verhaßten Automobile. Wie Ungetüme saßen die Automobilisten darauf, um sich dann zu entpuppen als elegante Kavaliere aus Belgien, die mit ihren schicken Damen hier das Pfingstfest zu feiern gedachten.

»Hören Sie mal, Donnerwetter, Helene, so hören Sie doch mal!«

Die Herren vom Lager fühlten sich heute etwas hintenangesetzt: es waren zu viel Fremde da, die auch gut dinierten und Sektpropfen springen ließen. Die schöne Frau Wirtin wußte nicht, wem sie zuerst ihr Lächeln schenken sollte.

»Die Frau muß ’nen Docht haben, ’nen höllschen Docht!« Der Stabsarzt konnte nicht umhin, dies bewundernd anzuerkennen. Nun ging es schon auf fünf Uhr, und sie war noch auf keinen Sitz gekommen. Bald hierhin, bald dorthin; bald wurde da was gewünscht, bald da. Der ganze Saal rappelvoll, Tisch eng an Tisch gerückt; kaum zum Durchwinden, und dabei eine Hitze, ein Lärm, ein Geklapper! Und sie immer mitten dazwischen, immer lächelnd, immer fidel, nicht ein bißchen müde, appetitlich, zum Anbeißen nett in dem klaren Kleid, das unter seinem dünnen schwarzen Flor den Busenansatz und die weiße Atlashaut schimmern ließ.