Ging’s fort in sausendem Galopp,
Daß Roß und Reiter schnoben
Und Kies und Funken stoben.
Dies Gedicht fiel ihm immerwährend ein, er konnte den Rhythmus gar nicht loswerden: hurre hurre, hopp hopp hopp. Drunten war’s still, die Lichter waren alle erloschen, an den Laden schlug er, klirrend stieg er ab – trapp trapp trapp – des Rosses Hufe dröhnten – sie würde ihn hören. Sie wartete ja schon auf ihn. Hurre hurre, hopp hopp hopp – haha, das war eine Idee, ein toller Streich! Ein toller Ritt, aber – – wenn die Sonne aufging, war er wieder oben im Lager. Niemand merkte etwas, das Pferd stand im Stall, er selber lag in seinem Bette; nur zum Schein, was braucht es der Rast, wenn man beim Liebchen gewesen ist?!
»Und hurre hurre, hopp hopp hopp!« Er murmelte es in das dumpfe Rollen des Wagens, in das gleichmäßige Schnarchen der Kameraden hinein.
Die Pferde schnauften; der müde Kutscher trieb sie nicht mehr an, aber sie trabten von selber, sie witterten den Stall. Der Mond fing an zu scheinen. Jedes Hälmchen am Wege zitterte tau-beperlt. Die großen Tannen am Chausseerand, die, riesenhaft, vom Bachtal bis hier heraufragen, schimmerten silberig und fingen den Mondglanz mit ihren Ästen auf.
Weitoffenen Auges fuhr der Trunkene in den huschenden Glanz hinein, aber er sah nicht. Wie Leichensteine, weiß und gespenstisch, ragten die Meilensteine am Rand der steil-abstürzenden Böschung. Sein Gesicht schimmerte geisterbleich; er lächelte in sich hinein.
X
Egon von Scheffler war glücklicher Bräutigam. Es hatte schwere Mühe gekostet, den Alten herumzukriegen; vieler Tränen des Töchterchens hatte es bedurft, und vieler Versicherungen des Offiziers. Aber die Helene hatte das höchst schlau eingefädelt – was sollte der Vater jetzt noch machen?!
Es war eine unangenehme Überraschung für Heinrich Schmölder gewesen, als am hellen Pfingstnachmittag seine Hedwig plötzlich zu ihm in die Stube stürmte, wo er auf dem Sofa lag und rauchte, hastig, mit glühenden Wangen und glänzenden Augen sich auf ihn stürzte, die Arme um seinen Nacken schlang und ihr Gesicht an das seine preßte: »Ach, Papa, Papachen, ich bin ja so glücklich!« Was hatte sie sich denn so? Er wußte nicht, wie ihm geschah. Aber als er, sich ein wenig vom Sofa aufrichtend, Herrn von Scheffler in der Tür stehen sah, etwas verlegen lächelnd, aber doch mit einer gewissen Siegermiene, da wußte er alles. Zum Donnerwetter, wie war der denn hereingekommen? Er hatte es doch gar nicht klingeln hören!