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Am folgenden Morgen pochte der Bursche vergebens an Abekings Tür. Der Herr Leutnant hatte mal einen festen Schlaf, aber wenn auch noch Festtag war, er mußte doch Appell abhalten! Der Bursche räusperte und scharrte mit den Füßen, zuletzt donnerte er mit der Faust gegen die Tür. Diese war nicht verschlossen; als er sich endlich ohne ›Herein‹ hineintraute, war sein Leutnant nicht da, das Bett gar nicht berührt.

Er stieß unwillkürlich einen Laut des Erstaunens aus, der die ganze Enge der Offiziersbaracke durchhallte.

Adjutant von Scheffler steckte den Kopf mit der Schnurrbartbinde und den mit Creme gesalbten Wangen zu seiner Tür heraus, aus einer anderen fuhr der Stabsarzt; Leutnant Schmidt und noch mehrere zeigten sich im Negligé. Was war denn los? Was brüllte der Kerl denn so und glotzte wie ein abgestochenes Kalb?! –

Wenige Stunden später erschienen verschiedene der Herren in Heckenbroich. Die Leute, die in Hemdsärmeln in ihrem Heckenausschnitt standen, den zweiten Pfingsttag anrauchten und sich des warmen Wetters freuten, wurden ausgefragt: hatten sie heute nicht etwa einen Herrn vom Lager gesehen, einen Unterleutnant von der Artillerie? So und so sah er aus! Man gab ein genaues Signalement. Aber keiner der Bauern wollte ihn gesehen haben.

Kopfschüttelnd kehrten die Herren wieder ins Lager zurück. Donnerwetter, wo steckte der Abeking denn? Vom Platz konnte man sich doch nicht mir nichts dir nichts entfernen. Heute gegen Mitternacht war er mit Schmidt und dem Stabsarzt heimgekommen, sie hatten sich alle schlafen gelegt, und nun war er auf einmal nicht mehr da, und kein Posten hatte ihn sich entfernen gesehen! Es ging nicht anders, man mußte Meldung machen.

Scheffler übernahm diese heikle Mission. Er entledigte sich ihrer mit der ihm eigenen Gewandtheit und Delikatesse, aber er entging doch nicht dem Donnerwetter der Ungnade. Man liebte es so wie so nicht, daß die Herren soviel umherstreiften und in der Nacht erst nach Hause kamen – der Offizier hat ein Vorbild zu sein, sowohl was Pünktlichkeit anbelangt als Solidität – und nun diese Geschichte! Erst als es Scheffler gelang, die vertrauliche Mitteilung seiner Verlobung beim Höchst-Vorgesetzten anzubringen, wurde dieser gnädiger. Er gratulierte seinem Adjutanten in schmeichelhaften Worten: war wirklich nett, sehr nett, diese Verlobung. Schmölders sehr nette Leute, alt-eingesessenes Patriziergeschlecht. Wenn nur alle Kameraden immer so das Richtige träfen!

»Aufrichtigen Glückwunsch, lieber Scheffler. Nun, wenn Sie Hauptmann sind, wird wohl geheiratet, was?«

»Zu Befehl, Herr Oberst!«

Der kleine Abeking war wieder in den Hintergrund gerückt. Die Verlobung von Scheffler wurde allgemein besprochen. Aber als es Mittag wurde und Nachmittag, und der Leutnant noch immer nicht da war, fingen die Kameraden wieder an, und zwar besorgter, auf ihn zu harren. Es war ihm doch wohl nichts passiert?!