Fast hätte man Lust gehabt, das Suchen aufzugeben. Patrouillen waren ja schon längst ausgeschickt worden, ein paar Trupps suchten den Schießplatz ab und das ganze anstoßende Gelände; zwanzig Mann waren ins Venn hinaufmarschiert mit der Order, jede Schonung zu durchstöbern, jeden Tümpel zu durchforschen, besonders in der Nähe der Strafkolonie. Aber es war nichts gefunden worden.

Scheffler mußte jetzt zu seiner Braut, der Krümperwagen wartete schon. Aber der Stabsarzt wollte sich doch noch nicht zufrieden geben: man hatte so oft mit dem jungen Kameraden fröhlich zusammengesessen, sollte man ihn nun in irgend einer Patsche stecken lassen?! Er war ein guter Radfahrer, Leutnant Schmidt auch. Die beiden befuhren nun jede Strecke, die nur irgendwie zu befahren war; rechts vom Lager, links vom Lager, und in weitem Bogen um dasselbe herum. Sie riefen, sie schrieen: »Abeking! A–a–beki–i–ing!«

Das Echo am Krummen Ast spottete ihnen nach; auch aus den Tannen äffte es sie. Es wurde dunkel, sie konnten nicht überall fahren, sie mußten absteigen und schieben; sie fluchten und schwitzten. Wie verflogene Glühwürmer irrten ihre Laternen durch die totstille Einsamkeit. – –

Auch sie hatten ihn nicht gefunden. Nun waren sie noch einmal nach Heckenbroich gekommen.

»Meine Herren, waren Sie dann als nach der Stadt erunter?« fragte Leykuhlen, als sie jetzt erhitzt, die dampfenden Stirnen sich wischend, in einer gewissen Nervosität vor ihm standen.

Nach der Stadt?! Sie belächelten fast die Frage. Da war der Kamerad ja gerade hergekommen! Und überdies hätte man von dort längst Nachricht erhalten; Abekings Verschwinden war jedenfalls dort ebenso bekannt geworden wie hier.

Der Bürgermeister schüttelte den Kopf: die Herren irrten, hier im Dorf erregte das auch weiter kein großes Aufsehen, die Leute saßen hinter ihren Hecken. Aber wenn es den Herren darum zu tun war, wollte er wohl noch einmal mit ihnen suchen gehen.

Er rief nach seiner Frau: »Bring mir en Latern, Mariechen!«

Und dann gingen sie, die Offiziere ihre Räder führend, er ihnen vorab mit starkem Schritt. Er schlug die Richtung nach der Stadt ein.

Die Nacht war sternenlos, das zuckende Leuchten am Himmel kam näher und näher. War es so schwül, daß ihnen immer wieder und wieder der Schweiß von den Stirnen rann, oder machte eine seltsame Unruhe, die wohl durch das lange Umherirren hervorgerufen worden war, ihnen so unangenehm heiß? Die beiden Offiziere sprachen flüsternd zusammen.