»Hier,« sagte jetzt Leykuhlen und kniete rasch nieder.
Seine Laterne beleuchtete den Gestürzten – das Gesicht war totenbleich, die Augen geschlossen, das blonde Haar klebte an der Stirn. Als Leykuhlen den Kopf des Leutnants ein wenig hob und ihn sich in den Schoß bettete, rann es ihm feucht über die Finger.
Und jetzt kam das Gewitter herauf, das schon lange gedroht hatte. Aber es war doch wie eine Erlösung, die Beklemmung wich, es brachte Licht.
Der Schein der Blitze leuchtete ihnen, als sie den Besinnungslosen ein Stück weiter bach-abwärts trugen, um ihn dann hinauf zu schaffen zur Chaussee an einer weniger steilen Stelle. Sie brachten ihn zu den Rädern; diese wurden mit Taschentüchern zusammengebunden, der regungslose Körper quer über die Sättel gelegt. Die Riesenkraft Leykuhlens hielt ihn da fest; der eine Kamerad führte, der andere schob.
»’ne traurige Fuhre,« murmelte der Stabsarzt. Lebte der Junge? Ja, er lebte. Aber, ob er sich nicht so ernstlich verletzt hatte, daß er sein Leben lang daran zu tragen hatte, das war in der Eile, bei der nur flüchtigen Untersuchung unter unsicherer Beleuchtung, nicht festzustellen. Eine niederdrückende Bestürzung lag über den Kameraden und eine quälende Ungeklärtheit: wie war das nur zugegangen?! Abeking war doch ein so guter Reiter! Aber freilich, bei Nacht und auf einem fremden Gaul ohne Sattel – Herr des Himmels, wie war der Junge überhaupt auf die Idee zu einem solchen Ritt gekommen?! Warum?!
Leykuhlen sagte kein Wort. Er fühlte ein Mitleid, das er sich selber nicht eingestehen mochte. Dies hier war ja noch schlimmer, am Ende viel schlimmer noch, als die beiden, die sich jetzt mit Fragen bestürmten, ahnten! Wer weiß, ob es nicht besser wäre, der Mund des jungen Offiziers, der jetzt so stumm war, bliebe für immer geschlossen? Was würde man zu hören bekommen? Nicht viel Gutes!
O du Frauenzimmer! Der Bürgermeister ballte die Faust im Sack. Aber neben seinem geheimen Zorn regten sich auch Stolz und Scham in ihm: nein, nichts von diesen Vermutungen sagen, Fremde brauchten es nicht zu erfahren, was die da unten für ein Schandfleck war im Land!
Stumm und langsam rückten die Männer mit dem Gestürzten die Chaussee hinan. Die Offiziere sprachen jetzt auch nicht mehr; die Lust zum Reden war ihnen vergangen. – –
Als Adjutant von Scheffler um Mitternacht mit dem Krümperwagen von seiner Braut zurückkehrte, rief ihn auf der Dorfstraße jemand an. Hinter seiner Hecke kam der Bürgermeister hervor – er mußte da gewartet haben – und trat an den Schlag.
»Steigen Sie aus, Herr Oberleutnant, wir haben als auf Sie jelauert. Sie können ihn mitnehmen, er liegt da drin!« Er nickte nach seinem Hause hin.