Da wurde die Tür hastig aufgerissen – ein wohlbekannter Tritt – da stand die Bäreb. Ja, sie war’s, obgleich man sie im Dunkeln kaum erkennen konnte. Der Dores greinte.

Die Mutter riß ihn in ihre Arme und küßte das übermüdete, weinende Kind: Dores, ihr Doreschen, nun war er wieder da, und war so viel besser!

»’n Abend zusammen,« sagte Bäreb. Aber ihre Stimme klang gedrückt; es war nichts von der Freude darin, wieder daheim zu sein.

Die Geschwister umringten sie, Kathrinchen schmiegte sich an sie, die Jungen rissen ihr fast den Rock vom Bund; jeder wollte sie anfühlen, jeder wollte ihr die Wangen patschen, und jeder ihr gleich ins Gesicht schreien: »Oß Maiblum, oß Maiblum! De hat e Kalev krigge, esu e fing Kalev!«

Bäreb war zusammengezuckt, sie sagte kein Wort, sie lachte auch nicht mit den Geschwistern. Langsam, schwer tappte sie hin zum Tisch und setzte sich auf die Bank. Sie stützte den Kopf, und dann brach sie plötzlich in ein heftiges, schluchzendes Weinen aus.

Die Kinder standen verdutzt: die Bäreb weinte, weil die Maiblum ein Kalb gekriegt hatte? Was fiel der denn ein?! Aber Frau Huesgen nahm’s nur als Freude, sie wußte, wie Bäreb an der Maiblum hing. Und konnte sie denn nicht auch vor Freuden weinen, daß ihre Wallfahrt so gut geholfen hatte?! Sie strich der Tochter übers Haar, von dem das Kopftuch heruntergeglitten war. Rauh und verwahrlost lagen die Haare an den Schläfen, und als Kathrinchen jetzt doch eine Lampe angezündet hatte, sah die Mutter, wie blaß und verstört die Bäreb aussah, gar nicht zum Kennen, förmlich alt und herabgekommen vor übergroßer Müdigkeit. Ja, es war eine harte Tour gewesen, noch dazu mit dem Dores! Aber der Herrgott im Himmel würde es der Bäreb schon lohnen, was die aus Liebe zu den Ihren getan hatte. Und nun, wie war’s denn gewesen, wollte sie denn gar nichts erzählen von Echternach?! Sie brannten alle darauf.

Aber Bäreb schüttelte stumm-verneinend den Kopf.

Nun morgen, bis morgen würde man sich ja noch gedulden, da würde man schon alles zu hören kriegen, jetzt war die Bäreb zu müde! Frau Huesgen trieb die Kinder zu Bett. Gleich darauf lag auch Bäreb neben Kathrinchen und schlief wie eine Tote. –

So müde auch Bäreb gewesen war, am Morgen war sie doch schon wieder früh auf, so früh, daß sie bereits zur Fabrik gegangen war, als die Mutter erwachte. Und am Abend kam sie so spät wieder, daß es schon dunkel war in der Hütte, als sie eintrat. Und so ging es Tag für Tag, Woche um Woche; immer war’s so.

Und es war, als sei Bäreb nie fortgewesen, als sei kein Echternach in ihr Leben getreten. Nur am Sonntag, wenn auch der Vater daheim war, dann hatte Bäreb Zeit, an Echternach zu denken; dann erzählte sie wohl auch – Wunderdinge – ihre blassen Wangen röteten sich dabei, und Eltern und Geschwister lauschten, die Augen aufgerissen, in einer andächtigen Scheu.