Ein grimmiger Zorn gegen den Bürgermeister faßte den Bauer. Ein um so größerer, als er klug war, um sich nicht selber auch einen Teil Schuld beizumessen. Er war die gewichtigste Stimme, hatte die meisten Weiden, das meiste Vieh, warum hatte er denn nicht das Maul aufgetan und dagegen gesprochen, als sie alle schrieen: En neue Kirch, en neue Kirch, und dem Bürgermeister zustimmten?!
Seitdem man dem Adams seinen Brunnen verschlossen hatte – seinen eigenen Brunnen, auf seinem eigenen Grund und Boden, so daß er nur nächtens daraus schöpfen konnte, heimlich daraus stehlen mußte wie ein Dieb! – seitdem hatte sich seine Meinung völlig geändert. Eine Wasserleitung mußte sein, eine Wasserleitung hätte längst sein müssen, daß man nicht solchen Unannehmlichkeiten ausgesetzt war! Seine Hände, die er in beiden Taschen der Buckskinhose stecken hatte, ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. Er sah den Leykuhlen da hinten durch die Wiesen schreiten – aha, der sah nach seinen Knechten, die dort mähten – der kam ihm gerade recht!
»Hela!« Er schrie ihn an, und als der andere nicht gleich hörte, weil selbst die starke Männerstimme in der großen Weite verflatterte wie ein schwacher Kinderruf, legte er die beiden Hände als Schallrohr an den Mund und brüllte hinein mit Aufbietung aller Kräfte: »Hela!«
Da stutzte Leykuhlen und sah sich um.
Jetzt hatten sie sich ins Auge gefaßt. Der dürre Adams schwenkte die Arme und gestikulierte. Sie kamen aufeinander zu.
»Burjermeester,« sagte der Bauer, »da ’s jot, dat ich Uech ens treff! Wie is et dann mit der Wasserleitung? Solle mir noch lang dat Wasser saufe uhs oß Pötze? De Frösch springen drin!« Er sah den andern blinzelnd an: das war ja ein bißchen übertrieben, aber das schadete nichts, der Bürgermeister sollte merken, daß es ihnen nun Ernst war, daß sie nicht damit einverstanden waren, daß das Geld, das schöne Geld der Gemeinde so verbaut worden war! Er knurrte grimmig: »Hm, is dat en Trockenheit – Jeses, en Hitz! – und wann mir keen Wasser mieh hant, wat dann?«
Leykuhlen war blaß, aber eine heiße Röte trat ihm jetzt auf die Stirn. »Bin ich der liebe Herrjott? Kann ich rejnen lassen über Nacht und am Tag die Sonn scheinen? Akkurat esu, wie et Uech passend wär?!« Er zuckte die Achseln und sah niedergeschlagen und abgespannt aus.
»Davon is jo keen Red!« Adams brauste auf: was stellte der Bürgermeister sich denn so dumm? »En Wasserleitung hätt’r baue solle, dozumal, wie m’r esu jot bei Kass’ wore! Wat fange mir mit der jruße Kirch an? Die alt war noch lang jot. Do bruchte mir keen Angst ze han, dat oß Pötze zu End jonn. Der Zumstädtchen hat heut nühst wie Schlamm eropjehollt!« Mit bösen Augen sah er dem Bürgermeister ins Gesicht.
Leykuhlen hielt den Blick ruhig aus. »Wat regt Ihr Uech esu op, Adams,« sagte er dann. »Et is wahr, et is en schlimm Zeit, äwer de Sonn hat oß noch nie jeschadt!« Er legte dem Bauern die Hand auf die Schulter und versuchte ein Lächeln. »Ihr seid doch ’ne kloge Mann, laßt doch nit jlich der Mut falle! Et hat noch immer, immer jot jejange. Wenn et esu bleibt, müsse wir uns eben Wasser fahren, aus dem Aubach erop, in Fässern. Dat is dann nit angersch!«
»So?« Zornsprühend sah ihn der sonst so ruhige und gehaltene Bauer an. »So, un wer soll dann in dieser Zeit oß Heu einfahre? Et hat nit jeder esu vill Ochse, wie Ihr habt. Un noch zwei Perd. En halev Stund erunter, en Stund erup – wat sollen die Leut dann maache, die kee Fuhrwerk han?«