»Wir werden ihnen aushelfen, dafür sind wir Heckenbroicher. Mer soll von uns nit sagen, dat wir Brüder im Stich jelassen hätten!«
»Jo woll, jo woll,« höhnte Adams, »predigt Ihr nur esu weiter, dat hört sich alles siehr schön an. Ihr hätt oß nur früher nit im Stich losse solle. Jo, Ihr, Ihr!« Er fuchtelte dem andern mit seinem Finger immer vor der Nase herum. »Et is jot fromm sein in anger Leuts Tasch. So’n Dommheit, so’n Unsinn, esu en jruße Kirch zu baue, wenn et Nötigste im Dorf fehlt!« Er räusperte sich zornig und spuckte aus in großem Bogen.
Sie standen in der Prallsonne, die Hecke, die hinter ihnen die Weide abschloß, gab nur einen schmalen Streifen Schatten. Die Röte, die der Bürgermeister vordem nur auf der Stirn gehabt hatte, zog sich immer tiefer herab über sein ganzes Gesicht. Er schwitzte und dabei fror ihn. Der starke Mann schüttelte sich wie in innerem Frost: der Bauer hatte so unrecht nicht, ja, es war schlimm, sehr schlimm jetzt, daß sie keine Wasserleitung hatten!
Unbarmherzig fuhr Adams fort: »So, un wenn mir nu de Krankheit kriege – mer soll doch dat Wasser nit trinke, et wär unjesund – die is doch nit et erschte Mol he. Wenn se nu wiederkömmt?!« Er sah dem Bürgermeister mit einem gewissen Triumph ins Gesicht: »Wenn se nu wiederkömmt, he?«
»Se is schon da,« sagte der andere erbleichend.
Es war so. Bürgermeister Leykuhlen mußte es ja wissen, und er wußte es bereits seit zwei Tagen: drei Fälle von Typhus waren im Lager. Man hatte erst Hitzschlag angenommen; die Leute waren bei einer Gefechtsübung gewesen, die Sonne hatte geprallt, als schösse sie mit mörderischen Pfeilen. Aber nun schüttelten die Ärzte die Köpfe: wo hatten sich die Kerls den Typhus geholt?! Jedenfalls außerhalb des Lagers. Es war ja bekannt, diese Gegend war verseucht; es gab ein Dorf hier, nicht allzu weit, dort hatte der Typhus in einem Jahre so gemäht, daß der Kirchhof zu klein geworden war, und man flugs einen neuen anlegen mußte. Und Tage waren es jetzt, so heiß wie unterm Äquator, und die Nächte trotzdem eisig kalt. Eine Gegend wie Sibirien! Dazu die ablehnende Verschlossenheit der Bevölkerung gegen alle Neuerungen. Wer weiß, wo die Soldaten sich herumgetrieben hatten?!
Die strengsten Absperrungsmaßregeln wurden auf dem Platz durchgeführt. Urlaub gab’s nicht, kein Soldat durfte das Lager verlassen, die Posten wurden verdoppelt. Auch das Sitzen abends vor den Baracken, unter deren Wellblech keiner gern hineinging, wurde den Leuten nicht mehr gestattet. Es war die einzige Annehmlichkeit gewesen, abends wenn die Dämmerung aufs rote Heidekraut sank und die Nebel vom Moorland aufstiegen, sich draußen abzukühlen. Weit, weit bis ins Venn hinein war der Gesang der Soldaten erklungen.
»Es waren drei Soldaten,
Dabei ein junges Blut,