Sie hatten sich vergangen,
Der Graf nahm sie gefangen
Setzt sie bis auf den Tod!«
Der junge Leutnant Abeking hatte den Leuten oft zugehört, gern zugehört. Schön waren die Lieder, mehrstimmig, von den starken Kehlen gesungen, deren Ungeschultheit hier nichts das Ohr Verletzendes hatte. In der großen Unbegrenztheit klangen die Sänge weich und getragen.
»Des Abends kann ich nicht schlafen gehn,
Ich muß erst meine Herzliebste sehn –
Steh auf, mein Schatz, und laß mich ein« –
Das war wie ein Anruf, das pflanzte sich fort von Baracke zu Baracke; das ganze Lager war voll davon. Naturlaute, Sehnsuchtsklänge. Sie wurden eins mit dem Locken des Bächleins, mit dem leidenschaftlichen Liebeskonzert der Frösche.
Nun war auch das Singen verboten. Wer draußen gesehen wurde nach Sonnenuntergang, bekam drei Tage Mittelarrest.
Auch die Offiziere fuhren längst nicht mehr so oft hinunter ins Städtchen, Leykuhlen brauchte sich nicht über unausgesetztes Rädergerassel und spätes Heimkehren bei Nacht zu kränken; die Geschichte mit Abeking hatte ihnen die Lust dazu etwas benommen.