Die Hände vor sich gefaltet, die Augen groß und starr geradeaus gerichtet, schritt der Bürgermeister bergan. Ein Kummer war in seiner Seele und ein Verzagen.
Die Sonne gloste ob seinem Haupt, wie ein tiefgefärbtes blaues Tuch spannte sich der Himmel, kein Regen war in Sicht über Heckenbroich; ausgedorrt alles Land, so weit das sehnende Auge reichte. Wie stickiger Dunst stieg’s empor vom Venn, ein Brodem kroch übers Moorland; schwer und befangend legte er sich auf Gemüt und Körper. Müdes Schweigen zwischen Himmel und Erde. Da plötzlich ein Läuten – horch, das ›Angelus‹!
Der Wanderer hielt an. Sieh, da war ja der Turm von Heckenbroich! Und sieh, da war sie auf einmal voll da, sie, die Kirche, die man noch nicht hatte sehen können vom letzten Aufstieg! Zwischen hohen Tannen ragte sie, schöner noch, und viel höher als diese. Vom Dorf war noch nichts zu entdecken, das lag versunken hinter den Hecken, aber hier, im Ausschnitt der Tannen, die wie lebende Pfeiler das schöne Bild einrahmten, stand die Kirche von Heckenbroich, klar und deutlich auf dem Goldgrund der ewigen Sonne und grüßte weit übers Hochland hin.
Mit einem tiefen Aufatmen nahm der vom raschen Aufstieg Keuchende den Hut ab. Er neigte den Kopf; ein Aufleuchten ging dabei über sein bekümmertes Gesicht: da war sie ja, die Kirche, die neue Kirche von Heckenbroich, der Eifler Dom!
Es war am Tage des ewigen Gebetes. Feierabend – Mitternacht – die ganze Nacht hindurch das gleiche murmelnde Beten.
Sie füllten das dämmernde Schiff der Kirche, sie knieten auf den schmalen Betbänken, die Hände mit dem Rosenkranz an die leis sich bewegenden Lippen gehoben, und beteten das Gebet der Bittwoche: »Heilige Maria, du Hilfe der Christen, bitte für uns! Ihr Heiligen insgesamt, flehet für uns am Throne Gottes!«
Auf seiner Betbank kniete der Bürgermeister. Wenn die anderen einmal wieder sich niedersetzten, um auszuruhen, kniete er immer noch. Ohn Unterlaß betete er auf dem bretternen Bänkchen, das viel zu schmal war für seine Knie und viel zu niedrig für seine Größe. Er fühlte nicht, daß die gekrümmten Füße ihm abstarben, und daß seine Knie steif wurden. Das Gesicht hielt er in die Hände gedrückt, in seiner Seele schrie es:
›Der du ins Verborgene siehest,
der du deine Sonne aufgehen lässest über Gute und Böse,