Josef wollte sie zerstreuen, er fing an, über die Ihren daheim mit ihr zu reden. Aber sie blieb einsilbig; und als er vom Dores sprach, rollten ihr ein paar dicke Tränen über die Wangen. Er nahm ihre Hand und streichelte sie, er behielt sie in der seinen.
Eng saßen sie bei einander in dem einsamen Haus, um sie nur Nacht und wildeste Triebe.
Sie hörten das Orgeln bis gegen Tagesanbruch. Zuletzt einen röchelnden Schrei.
Als sie am Morgen vor die Türe gingen, lag nahe auf dem zerstampften, blutigen Plan ein mächtiger Sechzehnender. Der Leib war ihm aufgeschlitzt, das schöne Haupt, das die Zunge herausstreckte, war zur Seite gesunken.
Da schrieb Josef Schmölder an Heinrich Schmölder:
›Lieber Vetter! Komm jetzt herauf, die Hirsche schreien. Schieß ein paar von den Bestien ab, sie werden uns lästig.‹
Und Heinrich antwortete; schon beim nächsten Erscheinen des Zeitungspaketes war sein Brief dabei:
›Lieber Vetter! Teile Dir mit wendender Post mit, daß wir nächsten Mittwoch, 20. Oktober, oben eintreffen werden, ca. zwölf Uhr mittags. Zu essen schickt Sophie mit.‹
Wir – wir –?! Nun, hoffentlich kam doch niemand anders mit als Leykuhlen? Den pflegte Heinrich immer zu seinen Jagden einzuladen. Eine plötzliche Angst überkam Josef, es war ihm, als sollte sein idyllischer Frieden unsanft gestört werden. Aber trotz schlimmer Vermutungen fühlte er doch etwas wie freudige Spannung: wer es auch sein mochte, er sollte ihm willkommen sein!
Draußen fiel Schnee. Es waren die ersten Flocken. So früh im Jahr? Aber Bäreb versicherte, daß es manchmal schon im September geschneit hätte, noch dazu tüchtig; ganz Heckenbroich hatte unter weißer Decke gelegen. Vergangenes Jahr waren um diese Zeit längst alle Beeren im Venn erfroren gewesen. Nun hielt es wohl so an; sie konnten auch unten nicht mehr hüten gehen, die Kühe blieben im Stall und die Menschen im Haus. Und es kam bald die Zeit, in der man sich ausschaufeln mußte, wenn man herauswollte.