»Kommt er denn nicht?« fragte Josef enttäuscht. Eine plötzliche Sehnsucht nach dem Freund überkam ihn. »Kommt Leykuhlen denn wirklich nicht?« fragte er nochmals hastig.
»No, no, immer mit die Ruhe!« Heinrich lachte. »Immer noch der Alte. Die Fangeuse hat dich noch nit ruhig jekriegt, Josef! Leykuhlen kömmt nach. Diesen Abend bestimmt; er hatte nur noch wat zu tun. Er kömmt zu Fuß nach. So lang warten wir noch. Dann aber jeht et los! Wir kriegen Mondschein. Nix für unjut, meine Herren« – er schmunzelte seine Gäste an – »aber der Leykuhlen is doch noch der sicherste Schütz – nach mir!«
Der Leutnant riß an seinem Schnurrbart; er ärgerte sich über seinen Schwiegervater, aber er schluckte den Ärger schweigend hinunter.
Josef fand den Tag längst nicht so angenehm, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Sophie hatte zwar ein ganzes Diner mitgeschickt: kalten Braten, Krammetsvögel in Gläsern und Hummer in Büchsen. Bäreb hatte nur Kartoffeln zu kochen, der Bursche war bei ihr in der Küche und half. Josef hörte die beiden lachen und war verstimmt; seine ganze Ruhe war gestört. Das Zimmer pafften ihm die Herren voll – und wo sollten sie schlafen? Es war so eng im Haus: ein Zimmer nur und zwei Kammern. Aber dann fiel ihm ein, sie würden ja die Nacht draußen auf dem Anstand zubringen. Und morgen würden sie wieder hinunterfahren – Gott sei Dank!
Draußen heulte der Wind. Über dem Wiesenplan hingen schwarze Wolken, aber der Wind ließ sie nicht lange stehen bleiben, er jagte sie immer wieder fort. Dann kam der Mond hervor, und sein bleiches Licht leuchtete kalt und fast tageshell. Die Jäger waren entzückt: gutes Jagdwetter! Bei der rasch wehenden, beständig umspringenden Luft bekam der Hirsch nicht so leicht die Witterung, man konnte ihn ruhig herankommen lassen vor den sicheren Schuß. Da – die Herren, die gedrängt um den kleinen Tisch der Stube saßen, fuhren auf – da, da orgelte wahrhaftig einer schon in der Ferne!
Wie heiseres Gebell eines gewaltigen Hundes erklang es vom Bach herauf, der unten in der wilden Schlucht längs der Grenze fließt. Dort war nicht Schmöldersche Jagd mehr; aber, nur noch Geduld, nicht lange, und das Tier würde übertreten und auch hier schreien!
Sie konnten kaum mehr ruhig bleiben, das Jagdfieber hatte sie ergriffen.
»Jetzt könnt’ der Leykuhlen aber wahrhaftig kommen,« sagte Heinrich Schmölder. »Um neun spätestens sollt’ er hier sein!« Er sah nach der Uhr, öffnete vorsichtig den Laden und spähte ungeduldig hinaus.
»Es wird ihm doch nichts passiert sein?« Josef war ängstlich.
Der Vetter lachte ihn aus. »Pah, wer sich so jenau auskennt wie der, dem passiert hier nix! Et is ja auch keine Nebel, man sieht ja, wo man tritt!«