Drinnen rasselte es, ein Schlüssel wurde ins Schloß gestoßen, ein Riegel zurückgeschoben. Simon Bräuer öffnete selber.

Er sah den Ankömmling finster an: »Wat wollen Sie?« Dann erst erkannte er den Eindringling und wurde zugänglicher; aber man merkte, daß ihm die Freundlichkeit Mühe machte. Es schien ihm sauer zu werden, den Mund aufzutun. »Kommen Sie erein!«

Er scheuchte einen der Sträflinge auf, stieß ein Bündel Weidenruten und einen halbfertigen Korb beiseite und ließ Josef Platz nehmen.

Es saßen ihrer Zwanzig in dem engen Raum auf roh zusammengenagelten Schemeln. Auf dem Herd brodelte es in einem großen Topf, ein alter Mann stand dabei und rührte mit einer riesigen Kelle. Im Herdloch fielen die Funken wie glühender Regen; von dort kam ein rötlicher Schein – das einzige Licht in dem winter-dunklen Raum. Aber trotzdem es im Ofen knackte und knasterte, und man vors Fenster als Schutz ein dickes Brett gestellt hatte, war es doch nicht warm hier; die Luft war nur dick.

Josef war ordentlich zurückgeprallt vor dem Dunst, der ihm entgegenschlug. Mit erschrockenen Augen sah er sich um: so hausten die hier im Winter? All diese Leute zusammengepfercht, und so Tag für Tag?!

Bräuer sagte: »Über die Hälft ist nach Aachen abjeschoben. Die kommen erst wieder erauf, wenn die Arbeit draußen anjeht. Die hier flechten Körb und binden Besen. Der da,« – er wies auf ein Gesicht, das Josef bekannt vorkam – »der ist jeschickt, der hat uns die Schemel gemacht. Nu schnitzt er Löffel. Zeig mal her!«

Der blasse Mensch, der den rotborstigen Kopf über seine Arbeit geneigt hatte, stand auf und kam heran; er zeigte ein Besteck aus Birkenholz, nur roh geschnitzt, aber an den abgeplatteten Stielen war als hübsche Verzierung eine Blume eingekerbt.

»Setz dich wieder!« Man merkte der Stimme des Aufsehers trotz aller Rauheit einen gewissen Stolz an.

Josef lobte die Geschicklichkeit des Sträflings. Der Gelobte wurde rot, er hob den Blick und zum ersten Mal sah Josef in die grünen, unruhigen Augen. Jetzt zog der Mensch in einem geschmeichelten Lächeln den Mund breit, und Josef erschrak fast: ha, fletschte der Kerl die Zähne! Unangenehme Physiognomie! Aber gesünder sah er aus, nicht mehr so käseweiß, nicht so zum Erbarmen elend wie das letzte Mal. Und man sollte doch denken, hier eingeschlossen im vergitterten Haus müßte er elender aussehen als draußen in freier Luft?! Merkwürdig, dieser Mensch schien jetzt ganz wohl und zufrieden!

»Wollen Sie wat von unserer Supp essen, Herr Schmölder?« fragte Bräuer.