Josef nickte; er war hungrig.

Der Alte am Herd nahm einen von den Blechnäpfen, die aufgestapelt einer im andern standen, und füllte ihn mit seiner Kelle aus dem großen Kessel. Es roch ganz gut: nach Erbsen, nach Schmalz, nach Zwiebeln und nach Wärme. Aber als Josef ein paar mal den Blechlöffel in die dünne Brühe getaucht hatte, hatte er genug. Das schmeckte doch nicht. Und auch das Stück schwarzen säuerlichen Brotes mit der zähen geräucherten Blutwurst wollte ihm nicht munden, obwohl der Alte, der ihm das präsentiert hatte, mit aufglänzenden Blicken jeden Bissen verfolgte, den er in den Mund steckte. Er erhob sich; ihm war, als müßte er ersticken in dieser dumpfen Dunkelheit. Der letzte Bissen würgte ihn. »Ich danke, Herr Bräuer. Adieu! Ich muß nun zurück!«

»Ich bring Sie en Stück längs!« Es mußte dem Aufseher nun doch zum Bedürfnis geworden sein, mit jemandem zu reden. »Mer jewöhnt sich dat Sprechen janz ab,« sagte er wie entschuldigend, als sie draußen durch den Schnee stapften.

»Läuft Ihnen keiner fort? Sie haben ja nicht wieder zugeschlossen!« Josef sah noch einmal nach dem verlassenen Haus zurück und schauderte.

»Wohin?« Bräuer machte eine umfassende Handbewegung. »Hier sind die sicher verwahrt. Die sind ja auch janz zufrieden hier. Und ich bin auch zufrieden mit ihnen!«

»Und doch wollen Sie fort, wie ich höre?«

Das Gesicht des Aufsehers, das sich eben ein wenig aufgehellt hatte, wurde rasch wieder finster. Er zog die Stirn in Falten und schlug den Blick zu Boden.

»Es ist schade, Herr Bräuer!« Josef sagte es warm. Wahrhaftig, er hatte dem Menschen doch Unrecht getan, der war längst nicht so schlimm, als er sich stellte. »Sie sollten nicht gehen, Herr Bräuer!«

»Ich muß!« Der Aufseher brummte es zwischen zusammengebissenen Zähnen, und dabei zuckte es über sein Gesicht. Nun sagte er nichts mehr. Eine Strecke trabten sie stumm nebeneinander her, dann stieß er plötzlich heraus: »Ich hab en Frau zu Haus. Adjüs!« Er machte kurz kehrt.

Ehe Josef noch etwas sagen konnte, war er schon fort. Mit weitausholenden Schritten rannte er zurück, kein Rufen erreichte ihn mehr. Josef wendete sich ärgerlich: er hätte Bräuer doch noch einmal fragen können, ob er hier auch auf dem richtigen Wege war?