Wie eine Wand hatte es sich plötzlich zwischen ihn und die Strafkolonie geschoben. Grau, dick. Das war nicht Nacht, das war ein dichter Sack, der sich einem urplötzlich über den Kopf stülpte.
Sollte das etwa Nebel sein? Venn-Nebel? Josef hatte schon oft davon erzählen hören. Ei, das war ja ganz interessant, den einmal mitzumachen! In London hatte er oft Nebel erlebt – nun, schlimmer war der berüchtigte Londoner Nebel nicht, wie dieser hier! Pfui, wie sich einem der schwere Dunst auf Hals und Brust legte!
Er nieste und hustete und knöpfte dann seinen Überzieher fester zu; im Haus hatte er ihn aufgerissen gehabt in seiner Beklommenheit. Nun fror ihn, obgleich es gar nicht mehr kalt war. Kein Lüftchen regte sich, es war ganz still geworden, und trotzdem durchschauerte es ihn bis ins Mark. Kältende Tropfen hingen an Schnurrbart und Wimpern; das ganze Gesicht wurde feucht. Nur rasch nach Haus, es war zu unlustig, um spazieren zu gehen!
Er rannte wie toll. Aber als er hundert Meter gelaufen war, stand er plötzlich still: ging er denn auch richtig? Nur nicht die Richtung verlieren! ›Immer mit die Ruhe‹, wie Heinrich sagte. Er ging langsamer. Er strengte die Augen an: endlich mußte doch einmal ein Ausblick kommen, irgend einen Ritz mußte dieser Sack doch haben. Nur ein Auslug, und man wußte gleich wieder, wo man war.
Er ging und ging. Aber der Auslug kam nicht, der graue Sack wurde immer dicker. Und enger; gleichsam, als würde er einem über dem Kopf fest zusammengezogen. Er ging rascher. Er fühlte, daß er aufgeregt wurde. Ganz niederträchtig, hier so herumrennen zu müssen! Sein Herz klopfte. Hoffentlich war es nicht mehr weit bis zur Fangeuse! Aha, da schien ja jemand gegangen zu sein. Nun immer ruhig den Fußtapfen nach, sie nur nicht verlieren, dann kam man schon an ein Haus, an irgend einen bewohnten Ort, wenn’s auch, schlimmstenfalls, nicht die Fangeuse war.
Er bückte den Kopf nieder und ging wie ein Spürhund der Fährte nach. Noch immer Fußstapfen, noch immer. Bauerntappen waren das nicht. Merkwürdig, wie seine Füße gerade da hineinpaßten – der rechte Fuß, der linke Fuß – keine nägelbeschlagene Sohlen! Er zuckte plötzlich zusammen und stieß einen Ausruf des Ärgers und der Verwunderung aus: was machte er denn, rannte er denn auf der eigenen Fährte herum wie ein Verrückter?! Er wollte lachen, aber er konnte nicht.
»He! Holla! Ho–ho–o–oh!«
›He–holla–ho–ho–o–oh!‹ äffte ihm irgend etwas nach.
War hier ein Echo? Scheu blickte er sich um.
»He, he! Hört denn niemand?!«