Er langweilte sich und wollte unterhalten sein. Ganz unvermittelt fragte er: »Wie war das eigentlich in Echternach? Erzähle! Ich weiß wohl, du hast gesprungen, aber du hast doch auch noch –«
»Ich –?« Sie unterbrach ihn mit einem hastigen Auffahren. Sie war blutrot geworden.
Was hatte sie denn, warum erschrak sie so? Er sah sie an mit verwunderten Augen.
Und sie starrte ihn wiederum an mit erschrockenen Augen. Eine ängstliche Verwunderung war in ihnen, fast ein Entsetzen.
Nun erschrak auch er. Sein Herz fing auf einmal an heftig zu klopfen. Ihr Erschrecken machte ihn argwöhnisch.
Er faßte sie scharf ins Auge: da war etwas nicht richtig! Das wurde ihm auf einmal klar. Und plötzlich stand das lebhaft vor ihm, was er so oft hatte erzählen hören von allerlei Unfug, von Schlimmerem noch, von all dem, was sich so ereignete im Lauf einer Wallfahrt. Er hatte nie daran geglaubt, und nun wollte es ihm auf einmal doch glaublich dünken – wohl möglich. Wo so viele zusammenlaufen, wo so viele junge Leute zusammen sind, Bursche und Mädchen – ledig, ohne Aufsicht, weit von Hause, ihrem Alltagsleben entrückt, vom Beten exaltiert, vom Springen erhitzt, vom hastigen Trunk berauscht, berauscht von dem Glauben an Wunder und von dem Gefühl, gesegnet zu sein, berauscht von der Jugendkraft, die den heilbringenden Sprung beendet hat – was konnte da nicht alles geschehen?! Wieder sah er Bäreb an.
Sie stand am Tisch wie eine arme Sünderin, den Kopf gesenkt; jetzt blaß, dann wieder glühend rot. Das Strickzeug lag am Boden, sie wagte nicht, es aufzuraffen; schlaff ließ sie die Arme herunterhängen.
Da sagte er nicht mehr: erzähle! Er wollte gar nichts hören, nein, gar nichts wissen. Was ging es ihn an, was sie da etwa getrieben hatte?! Aber als sie hinausgegangen war, hinausgeschlichen, ohne daran zu denken, daß ihr Strickzeug mit verwirrtem Faden am Boden liegen geblieben war, da rannte seine Neugier hinter ihr her. Die plagte ihn förmlich den ganzen Tag.
In der Nacht konnte er nicht schlafen. Was war er doch für ein dummer Kerl, ein Esel, daß er mit ihr umgegangen war so schonend, so rücksichtsvoll, so behütend – wie ein Vater! Er lachte sich selber nun aus. Sie würde auch nicht anders als andere sein. Sie erschien nur äußerlich so unberührt, so jungfräulich rein!
Er war ihr nicht böse – wie konnte man ihr darum wohl böse sein?