»No, no, Mädchen!« Heinrich Schmölder beugte sich über den Wagenrand und klopfte der Schluchzenden gutmütig den Rücken. So ein hübsches Mädchen, und so anhänglich! Er war ordentlich gerührt. »Still, bis still, Kind! Warste denn so arg jern hier oben?«
Sie nickte krampfhaft.
»No,« sagte der Fabrikant und schmunzelte; es war ihm plötzlich eine famose Idee gekommen, die er auch auszuführen gedachte. Wenn die so arg gerne hier oben war, dann konnte ihr ja geholfen werden – und zugleich ihm selber. Tüchtig war sie, und es würde nett sein, in den Jagdtagen ein so allerliebstes Gesicht um sich zu sehen. »Weißte wat, Bäreb,« sagte er vertraulich, »ich weiß ’ne jute Ausweg. Ich engagier ’ne junge Förster für hier. Ich hab ja nu doch noch die Jemeindejagd zujekriegt – äh, et jeht mir jetzt doch so viel Jeld drauf, da will ich wenigstens auch mein Pläsier haben. Und den jungen Förster, den heiratst du! Wat, Bäreb?!«
Nun ließ sie doch die Schürze vom Gesicht sinken. Ihre nassen, rotgeweinten Augen hoben sich fragend auf. »Is dat Uech Ernst, Hähr?«
»No, natürlich, mein Wort!«
Da lächelte sie ein bißchen. Ein Erröten huschte über ihre blassen Wangen, sie flüsterte verschämt: »Wenn Ihr esu jot sein wollt, Hähr Schmölder!« –
Die Pferde ruckten an, der Kutscher konnte sie nicht länger halten, sie wollten fort von der zugigen Höhe, heim in den warmen Stall.
Ein Zungenschlag, ein Peitschenknall – zurück blieb die Fangeuse.
Solange man sie noch sehen konnte, solange wandte sich auch Josef zurück. Da stand noch immer die Bäreb draußen vor der Hecke; versunken dahinter das Häuschen, und über allem ragend die Tannen.
Lebe wohl, Bäreb! Josef sah ihr Kleid noch flattern, sie schirmte die Augen mit der Hand gegen die Weite und sah ihm nach. Er winkte: »Adieu, adieu!«