»Adjüs!« Das war ein heller und kräftiger Ruf. Jetzt riß sie die Schürze ab und ließ sie wehen. Wie eine lustige Flagge wimpelte das gestreifte Weiß und Rot.
Und nun kam eine Biegung, ein Erdwall – nun war alles verschwunden, die ganze Idylle. Nichts da, als das große, öde, gewaltige Venn. Der flüchtige Sonnenblick war schon erloschen, es durchschauerte Josef auch heute am Frühlingstag.
»Frierst du?« fragte der Vetter besorgt.
Josef gab keine Antwort. Was sollte er sagen? Heinrich würde ihn ja doch nicht verstehen. Und er traute es sich auch gar nicht zu, sich klar genug auszudrücken. Es fror ihn ja nicht nur körperlich, es fror ihm die Seele.
Seine Blicke irrten umher: wieviel Schweiß, wieviel Lebenskraft verlangte dieser Boden! Und würde er denn überhaupt je von schwarzem Moorland sich wandeln zu hellerem Gefilde?! Die auf ihm arbeiteten, an ihm arbeiteten, waren ja Unfreie, Gebundene. Josefs Gedanken glitten schnell von den Häftlingen der Strafkolonie hin zu dem König von Heckenbroich: auch der war unfrei. Ein Befangener, ein Gebundener trotz allem und allem!
Da lag die Strafkolonie! Der Tag wurde grauer und grauer. Düsterer denn je dünkte Josef das einsame Haus, selbst das Rot des Daches schrie heute nicht hell und niemand war draußen zu erblicken. Josef seufzte. Aber dann war es wie ein Aufatmen: Gott sei Dank, so bald würde er das nicht wiedersehen!
Noch ragte das Kreuz der Marienley schwarz auf aus den schwarzen Tannen. Alles so düster, so schwer. Der Kutscher peitschte die Pferde. Rasch rollte der Wagen voran, und immer rascher hinab ins Tal.
Aus dem Haus der Strafkolonie kamen jetzt langsam Gestalten heraus. Sie standen draußen herum mit gesenkten Köpfen, die Mützen in den Händen.
Nun erschien Bräuer; ein zweiter Aufseher mit einer Flinte neben ihm. Sie schlossen den Stall auf, darin Holz und Torf aufbewahrt wurden – und heute noch etwas anderes.