»Voran,« sagte Bräuer. Er hatte eigentlich nicht mehr zu kommandieren, neben ihm war der Neue, der von morgen ab allein hier zu gebieten hatte. Aber alle sahen doch nur nach ihm.
Vier traten an; sie spuckten in die Hände, und dann hoben sie den Sarg, der auf ein paar zusammengebogenen Fichtenstämmchen im Stalle stand, heraus. Leise zählte einer: »Eins – zwei – drei, hebt – auf!« Schwer war die enge Tannenlade doch; wer hätte gedacht, daß der Jacobs noch so ein Gewicht haben könnte.
Mit zusammengebissenen Zähnen gingen die Träger, hinter ihnen zu zweien und zweien die übrige Schar. Sie alle folgten dem Sarg; zuletzt die beiden Aufseher.
Der Neue hätte den Gang gern benutzt, um sich noch über manches zu informieren, aber Bräuer blieb hartnäckig stumm. Er hielt die Hände vor sich gefaltet wie es die Sträflinge auch taten; manch einer von ihnen hatte einen Rosenkranz vorgesucht, nun rollten die Perlen.
Das Kreuz, das man sonst vor dem Sarge herträgt, hatten sie nicht. Aber der alte Schleichert hatte eines zurechtgeschnitten aus glatten Stöcken und zusammengebunden; nun ging er damit voran, ernsthaft und andächtig. Es war ihm arg: ohne Beichte und Absolution, ohne noch versehen worden zu sein, war der Junge gestorben! Sie hatten ihn gefunden im Schlafsaal, tot im Bett, als das Morgenrot sie aus festem Schlafe weckte. Sie hatten gar kein Röcheln gehört. Weiß und kalt lag der Rotfuchs schon; die Hände hielt er ins Stroh gekrampft, wie Borsten standen ihm die Haare, und die härene Decke war voll Blut gespieen. Einen Priester hatte man nicht mehr holen können.
Aber der Landstreicher hatte ihm wenigstens rasch noch die Hände ineinander gefaltet, ehe sie gänzlich erstarrten. Kruzifix und geweihte Kerze waren nicht zur Hand; er hatte nur das Kreuzeszeichen über ihm machen können. Dann war er an der Bettstatt niedergekniet und hatte laut zu beten angefangen, was ihm gerade einfiel; und wenn er nicht mehr weiter wußte, fing er wieder von vorne an.
Die anderen hatten lachen wollen über den alten Paternapgacker: was fiel dem denn ein, so zu paternollen?! Aber dann hatte es sie doch gepackt: der Tod war unter ihnen – wer weiß, an wen es nun kam?!
Sie beteten emsig. Hoch reckte der Alte das Kreuz, sein stoppliges Gesicht schielte nach oben. Er betete vor:
»Herr, erbarme dich unser,