Simon Bräuer hatte zu tun, die Neugierigen abzuhalten. Bis in die innersten Winkel des Hauses, dessen Gebälk jetzt schon fertig gerichtet stand, hätten ihm die Frauenzimmer kommen mögen. Zwar stand ein Pfahl am Zaun mit einem Schild: »Eintritt verboten« – aber wer störte sich hieran? In hellen Kleidern, wie Sommerfalter, kamen die Weiber; sie machten den Mann kribblig. »Da schlag ’n Donnerwetter drein!«
Schon wieder kam heut ein Wagen langsam die Venn-Chaussee heraufgekrochen; eine Equipage. Am alten Torfschuppen mußte jedes Fuhrwerk halten; von da an mußte man zu Fuß das Venngestrüpp, die Ginsterbüsche und allerlei versteckte Löcher durchqueren.
»Dat sie doch all in’t nächste Torfloch plumpsten bis an den Hals! Verdammt!« Bräuer fluchte. Er sah, wie seine Kerls die Köpfe von ihrer Arbeit hoben und hinstierten mit ihren grassen, hungrigen Augen.
Ein hellgekleidetes Mädchen lief den anderen vorauf. Bräuer brummte in sich hinein: »Die macht ja Sprüng wie en jung Kalb!« Wieder Weiber! Die sollten ihm wohl vom Halse bleiben. Das Gewehr über die Schulter hängend, ging er den Kommenden entgegen.
»Papa,« sagte gerade Fräulein Schmölder, »hier steht es ja: ›Eintritt verboten‹!«
»Für uns nit!« Der Fabrikant wollte seine Damen vorangehen lassen – seine Frau war auch neugierig gewesen, die Kolonie zu sehen, und Hedwig brannte auf die Verbrecher – aber breit stellte sich jetzt der Aufseher vor den Zauneingang. Sein Blick war so zurückschreckend, daß Heinrich Schmölder unwillkürlich »Juten Tag!« sagte und an den Hut faßte. »Wir wollen uns dat hier mal ansehen!«
»Es ist nicht erlaubt.« Der Aufseher gab den Eintritt nicht frei.
»Ich bin der Fabrikant Schmölder. Sie kennen mich doch?« Dem reichen Mann stieg das Blut in die Stirn. Das war denn doch keine Art! Und dazu war Vetter Josef noch dabei, der sich so wie so schon über alles und jedes mokierte! »Wenn Sie uns nit hereinlassen, werde ich mich beschweren, beim Landrat, bei unserem Bürgermeister!«
»Dat können Sie tun. Dat jeht die Herren aber jar nix an. Ich hab nach meiner Instruktion zu handeln.«
»Nun, dann eben bei der zuständigen Behörde!« Heinrich Schmölder wurde heftig, er glaubte hinter sich das maliziöse Lächeln seines Vetters zu sehen.