»Wie poetisch!« spöttelte Heinrich.

Aber Frau Schmölder nickte. Sie war dem Vetter gut, und – lieber Gott, wo so viele aßen, konnte er auch noch mitessen! Ein bißchen verstiegen war er freilich zuweilen.

Josef sah und hörte nicht. »Komm, Hedde, wir wollen Narzissen pflücken! Einen goldenen Strauß!« Er riß die Nichte mit sich fort.

Leichtfüßig liefen die beiden durch das struppige Heidekraut; der Mann schien nicht minder jung, als die Siebzehnjährige, deren Zopf mit einer himmelblauen Schleife noch kindlich, lang auf den Rücken baumelte.

Heinrich Schmölder war sehr schlechter Laune, und er war doch so guter gewesen, als er heute aus dem Schwan zum Mittagessen nach Hause gekommen war und die Fahrt zur Strafkolonie vorgeschlagen hatte. Der Josef verdarb einem eben immer die Stimmung. »Verrückter Mensch!« sagte er zu seiner Fraun.

Sie suchte ihn abzulenken. »So, nun zeig mir doch auch mal was hier! Nun sei doch nicht so, nun bist du ihn ja los!«

»Auf wie lang?« Sie hatte nicht das Richtige getroffen, Heinrich Schmölders Stirn zog sich in immer ungeduldigere Falten. »Mit dem Menschen ist ja nicht zu leben. Er macht einen selber janz verdreht mit seiner fahrigen Art. Ein Mann wie ein Weib! Ein Mensch, der in seinem Leben nie an seinem Platz jewesen is. Nun jeht er auf et End der Vierzig los und hat noch nie wat vor sich jebracht! Aber wat soll man da machen!« Er seufzte. Ehe man den Jungen in der Welt herumflanieren ließ und Dummheiten machen auf den Namen Schmölder, eher wollte man sich denn doch die Pönitenz auferlegen und ihn bei sich behalten, so fatal es auch war, die Bummelei mit anzusehen.

»Gott, Heinrich,« sagte die Frau gutmütig, »er stört dich doch nicht!«

»So – er stört mich nicht? Wat du weißt!« Heinrich Schmölder konnte recht grob gegen seine Frau werden, wenn er es auch nicht immer so böse meinte. »Sie ist ihm zu beschränkt,« – so hatte die schöne Helene aus dem Schwan schon längst herumerzählt.

Frau Schmölder hatte eine gute Art, zu schweigen. Sie war bequem geworden mit den Jahren, behäbig und bequem. Auch hier war es ihr unbequem, noch mehr zu sehen, sie hatte schon genug. »Laß uns gehen,« sagte sie und zupfte ihren Mann am Ärmel.