»Ja, oß Kathrinche!« Das Mädchen lächelte, Grübchen vertieften sich in Wangen und Kinn.

»Und einen Bruder, den Dores?«

Da wurde das hübsche Mädchengesicht trüb.

Josef klopfte ihr die Wange: »Na, dann weiß ich Bescheid. Und deine Mutter ist noch immer schwach, der Dores ist auch noch immer nicht besser, und du und das Kathrinchen, ihr habt eure liebe Not!«

Fast entsetzt, mit offenem Mund, starrte Bäreb ihn an: woher wußte der Herr denn das alles? Wußte er am Ende auch, daß sie heimlich oft, oh, sehr oft, seiner gedacht hatte und immer gewünscht, sie möchte ihn noch einmal wiedersehen?! Sie stotterte, sie stammelte etwas Unverständliches. Dann aber riß sie ihre Hand aus der seinen mit einem hastigen: »Adjüs!« Jesus, Maria, was hielt der Mann sie wohl für dumm und ohne Manier?!

Mit hartem Geklapper ihrer Nägelschuh trabte sie davon. Ganz außer Atem und aufgeregt hemmte sie ihren Lauf erst, als sie schon ein weites Stück von der Kirche entfernt war. Nun wagte sie es, sich noch einmal umzudrehen. Aber sie sah ihn nicht mehr. Kahl und weiß schimmerten die leeren Kirchenstufen im kalten Mondlicht.

IV

»Et is ’ne Skandal,« sagte Bürgermeister Leykuhlen zu seiner Frau, als er auf dem Ledertuchsofa in der Stube den Sonntagsnachmittagskaffee trank.

Sie sagte nichts, sie strich ihm nur ein Stück Blatz, schenkte ihm noch einmal ein und setzte sich dann auf ihren Stuhl am Fenster. Da lag auf dem Nähtisch, sorgfältig in sauberes Leinen eingeschlagen, die Altardecke, die bald fertig sein mußte; an der sie stickte, oft halbe Nächte, damit die aufliegen konnte zu Pfingsten, wenn die Waller auszogen zu den Prozessionen nach Heimbach und Mariawald oder anderswohin zu heiligen Orten. Aber heute stickte sie nicht, so sehr es auch drängte; heute war Sonntag, heute hielt sie ein Andachtsbuch in den Händen.

»Et is ’ne Skandal, Marieche,« sagte Leykuhlen wieder, und dann, als sie noch nichts darauf erwiderte, zum dritten Male: »’ne Skandal, Marieche!«