Josef zuckte zusammen: wie grob der Heinrich wieder war! Er fühlte, wie der andere ihn mißachtete, und das tat ihm weh.

»Am liebsten schlüg ich die Barack los mit allem, wat drum und dran is, die janze Fangeuse! Viel wert is dat sumpfige Dreckloch doch nit. Wenn nur nit die Jagd da so jut wär! Und wer würd se mir auch abkaufen?!«

»Heinrich, ich sage dir noch einmal, ich ziehe hinauf,« sagte Josef bestimmt. Es war ihm plötzlich heilig ernst um seinen Entschluß, und je mehr der andere ihn höhnte, desto ernsthafter wurde es ihm darum. »Ich fühle mich hier höchst überflüssig. Und ob ich das Gnadenbrot nun da oder dort esse, kann dir doch gleich sein. Mir aber wird es nicht so – so –« er suchte nach einem Ausdruck – »nicht so drückend sein, wenn ich weiß, daß ich doch irgend etwas dafür leiste. So gut wie ein anderer kann ich auch aufpassen dort. Und ich fürchte mich nicht. Heinrich, laß mich doch!« Es war ihm, als hinge seine Seligkeit davon ab. Die Fangeuse – Fangeuse – die Sumpfige, wie geheimnisvoll das klang! Nein, ihm graute nicht vor Sumpf und Einsamkeit. Ihm würde es eine Erlösung sein, nur Moor und Tannen und segelnde Vennwolken um sich zu sehen – endlich einmal keine Menschen im Alltagskleid! Seine Stimme wurde immer dringender: »Ich bitte dich, versuche es doch mit mir! Ich bitte dich herzlich! Heinrich, du sollst sehen, da halte ich aus, das ist was für mich. Ah,« – er atmete tief auf – »endlich das Rechte! Ich liebe die Natur, ich verstehe die Natur, sie beruhigt mich, sie beglückt mich!« Er redete sich immer mehr in Begeisterung hinein, sein Gesicht rötete sich, die Augen leuchteten ihm. Wie er so im Lampenschein dastand, den Kopf frei gehoben, den Blick wie suchend in die Ferne gerichtet, erschienen seine Züge fein und edel und merkwürdig jung.

»Dat is all exaltierter Blödsinn,« sagte Heinrich Schmölder trocken, »daraus kann nix werden. Du mußt schon wo anders Beglückung und Beruhigung suchen!« Das plötzlich matt und blaß werdende Gesicht vor ihm ließ ihn seinen Spott aufgeben. Diesmal tat ihm der Josef ordentlich leid. »Alter Jung, red dich doch nit in so wat erein! Wenn du jern en bißchen eraus willst, kannst du ja mit der Sophie und der Hedwig diesen Sommer vierzehn Tage nach Ostende reisen. Sie wollen absolut hin, Toiletten sehen. Jeh meinetwegen mit, chaperonniere sie! Ich danke, ich bleibe lieber hier. Wat denkst du denn eigentlich, wer soll dir denn auf der Fangeuse haushalten? Du mußt doch essen und trinken. Un wer soll dir dat Bett machen und die Stub kehren? Dat kannst du doch nit? Und wenn ich komm zur Jagd, wer soll mir dat Bett machen und mir wat zu essen kochen, he? Dat kannst du doch auch nit!«

»Nein, das kann ich nicht.« Kleinlaut ließ Josef den Kopf hängen. »Selbstverständlich müßte ich eine Person haben, eine Magd, die das alles besorgt.«

»Such dir eine!« Heinrich Schmölder lachte schallend auf. »Und wenn du eine hast, dann komm wieder zu mir, dann kannst du auf die Fangeuse ziehen. Mir soll et recht sein!«

[6] ziehen.

[7] Garten.

[8] wird melancholisch.

[9] Grenzjäger.