Er wollte die Tür aufdrücken und war erstaunt, sie verschlossen zu finden. Warum das? Aha, seit die Sträflinge oben im Venn arbeiteten, war es Mode geworden im Dorf, die Türen zur Nacht zu verriegeln; selbst Mariechen tat das.

Er rappelte mit dem Klopfer. Da kam sie und machte ihm auf. Sie war völlig angekleidet, sie hatte noch bei der Arbeit gesessen. Um den Hals hing ihr die seidige Glanzgarnsträhne, ihre Augen waren leicht gerötet vom angestrengten Sehen; aber sie blickten doch nicht müde, ein Glanz war in ihnen.

»Als wieder an der Altardeck?« sagte er. Es lag kein Vorwurf in seiner Frage, im Gegenteil, eine heimliche Freude.

Sie war hastig und rot, die ruhig-kühle Frau von einer fast bräutlichen Wärme.

Was war ihr denn nur? Er hatte ihr einen derben Kuß auf beide Wangen gegeben.

»Du kömmst jo so spät?« sagte sie, und er glaubte zu fühlen, daß sie vor Ungeduld bebte.

»Ja, et hat lang jedauert, wir haben uns tüchtig erumjezankt!« Er lachte heiter. »Aber ich bin ihrer doch Meister jeworden!«

Zu anderer Zeit hätte sie ihn gefragt, was für einen Streit es denn in der Sitzung gegeben habe – Leykuhlen hatte sich durch Jahre daran gewöhnt, mit seiner Frau auch das zu besprechen, was eigentlich über den Weiberhorizont ging – aber heut zeigte sie kein Interesse für das, was verhandelt worden war im Gemeinderat.

»Bärtes,« sagte sie und drückte sich fester an ihn, »ich han dir jet zu verzähle!«

»So?« Er hatte noch keine Neugier.