Sie nickte ihm wieder zu, ein Glanz heiterer Freudigkeit verschönte ihr Gesicht. »Un denk ens an, Bärtes, als dat Annelies noch hier bei mir is, – et konnt sich ja jar nit jenug tun mit Erzählen – da kömmt de Herr Schmölder, de Josef. Er kömmt in die Dür erein un frägt nach dir: er wollt dich jet fragen, sagt er, er hätt doch sicher jehofft, dich diesen Abend anzutreffen. Ich bot ihm ’ne Stuhl an. Ich konnt nit jut anders – mer war doch zu voll dervon – ich erzählt ihm wat von dem Annelies seiner Jeschicht. Siehste, Bärtes,« – sie triumphierte laut lachend vor Glück – »un dat war nun schon die erste Hülf, die der Huesgen versprochen wurd. Kaum sieht er die an – se sieht ja noch sehr erbärmlich aus – da zieht er auch schon sein Portemonnaie aus der Tasch un schütt ihr alles, wat er drin hatt, in’ ne Schoß. Einen Taler, un Jroschens – ja, jewiß an die zehn Mark – un noch en Joldstück extra! Et Annelies traut seinen Augen nit, et war wie verstuert.[13] Er klopft him äwer auf de Schulder un saat: ›Nun, gehen Sie, liebe Frau, tun Sie sich und den Kindern was zu gut dafür!‹ Bärtes, ich jlaub, ich hab ihm auch kaum ›Danke‹ jesaat, ich war wie dat Annelies: janz verstuert. Och, dat is doch ’ne jute Mensch!«

»Ja, dat soll wohl sein,« sagte Leykuhlen, »’ne jute Mensch, sehr jut – aber –!« Er seufzte in einem gewissen Mitleid. »Äwer nu komm, Mariechen, laß uns jetzt nach oben jehn. Ich werd heut nacht jut schlafen.«

»Ich will auch beten für ihn,« sagte die Frau in ihrer Erkenntlichkeit.

Sie stiegen zur Giebelstube hinauf, in der die Betten unter dem Kruzifix an der Wand standen. Das Fensterchen war offen, die ganze Kammer war hell von blinkender Sauberkeit und von Mondenschein. Er konnte nicht widerstehen, ehe er das Fenster schloß, lehnte er sich hinaus und guckte noch hinüber zur Kirche.

Die ragte mit ihrem mächtigen Turm wie ein Wahrzeichen des Dorfes weit in die Gegend hinein. Wo man auch stand, ob auf der Höhe, ob im Grund, überall sah man sie.

Ein Gefühl der Glückseligkeit durchdrang den Mann. In Tagen, in Wochen, im ganzen Leben war oft soviel Ärger, oft soviel Verdruß, aber ein Abend wie dieser, der machte alles wieder gut! Er rief seine Frau neben sich und schaute Schulter an Schulter mit ihr hinauf in den hellen Himmel der Mainacht.

Mariechen konnte es doch nicht lassen, sie mußte noch einmal von dem Ereignis anfangen. »Wie et dem Annelies nu wohl zu Mut sein mag?«

»Haste ihr jesagt, se soll nit so vill dervon trätschen?«

»Nee, dat hab ich nit! Warum soll se denn nit dervon erzählen? Wer jut is, freut sich doch drüber. Laß die bösen Leut nur sagen, et is nit wahr – aber, Jott sei Dank, so haben wir ja kein hier im Dorf!«

Er nickte zustimmend: da hatte sie recht. Im Dorf würde man die Wundermär aufnehmen, so wie sie erzählt ward: mit frommer Andacht. Nur draußen gab’s Zweifler und Spötter.