Leykuhlen legte sein Butterbrot hin und fing laut an zu lachen: »Wat de für Ideen hat!«
»Mir scheint, de fühlt sich sehr unjlücklich unten bei seinem Vetter. Nu hat der Jilles oben im Moorhaus dem Schmölder jekündigt, un da hatt der Josef Lust jekriegt, anstatt dem Jilles nach oben zu ziehen. Aber er braucht doch en Magd – weißt du ein’, Bärtes?«
Leykuhlen schüttelte den Kopf: das würde schwer halten! Sämtliche Witwen und ältliche Frauenspersonen im Dorf ließ er an seinen Gedanken vorüberziehen. Da war die Witwe vom May aus der Tuchfabrik, der letztes Jahr an der Schwindsucht gestorben war, die war aber selber nicht fest auf der Brust, die hielt oben die Stürme und Nebel nicht aus. Da war zweitens die Witwe vom Johann Peter, der Anno siebzig als junger Kerl sein Bein verloren hatte, die war wohl noch rüstig und stark, aber die hatte zehn Kinder, die jüngsten davon mußten noch in die Schul – mit der war es auch nix. Da war die Hoefen, die war blind auf einem Auge geworden, und auf dem andern sah sie fast auch nichts mehr vom Weinen; der ihr Mann war vor zehn Jahren ausgezogen mit Karren und Gaul ins wallonische Venn, um Torf zu stechen, und war nicht mehr gesehen worden seit jenem Tag. Da war auch die alte Frau, die Lenzen Tring, aber die war fünfzehn Mal Großmutter schon, die hatte zu viele Enkel zu wiegen. Das Bertchen, die ledige Näherin, die nicht mehr in die Fabrik gehen konnte und jetzt nähte und flickte und Kinder das Stricken lehrte, die hatte zu feine Knochen für so was. Das Lieschen, das Bükelchen, das von der Gemeindewohltätigkeit lebte, die würd sich gewiß gern was verdienen – aber da hinauf, nein, da würde die auch nicht hinziehen!
Leykuhlen schüttelte den Kopf: »Ich weiß kein’!«
»Et müßt eijentlich en Junge un Kräftige sein,« sagte Mariechen nachdenklich.
»En Junge? Dat würd sich doch schlecht schicken. Dat leidt auch unser Pastor nun un nimmer, selbst wenn die Eltern et zujäben!«
»Och!« Sie lachte ihn hell aus ob dieses Bedenkens. »An so wat denkt doch de Josef nit mieh, da is de doch viel, viel zu ältlich für!«
»Zwei Jahr jünger als ich!« Leykuhlen lachte auch, streckte prüfend die kräftigen Arme aus und zog seine Frau plötzlich an sich. »Dat sag nit, Mariechen! Zwei Jahr jünger noch is de Josef als ich – mer soll nix verschwören!«
Errötend wie eine ganz Junge machte sich die Frau von ihm los und gab ihm einen Klaps. »Och, Bärtes! Ich bin doch dein Frau, dat is doch wat janz anderes! Un denn, du bist doch ’ne andere als de Josef!« Sich mit beiden Händen den Scheitel wieder glatt streichend, den er ihr verwirrt hatte, musterte sie mit Stolz und Liebe im Blick ihres Mannes Kraftgestalt. »Wat bist du für ’ne Kerl – un wat is de für eine! Recht erbärmlich – eso schwach – janz jries is sein Haar als!«
»Meins is ja auch als jrau,« sagte er neckend.