Bäreb vergaß fast ihre Reise darüber und was sie alles vorhatte am heutigen Tag. Mit der Bahn mußte sie heute noch bis Ettelbrück kommen, da hatte die Mutter eine Base wohnen, bei der kam sie wohl unter mit dem Dores für eine Nacht. Und morgen würde sie aufbrechen nach Echternach, so früh, daß sie dort eintraf zu rechter Zeit, schon zur Vorfeier in der Pfarrkirche, die oben an der steilen Treppe liegt, die man Pfingstdienstag hinaufspringen muß. Oh, sie wußte so genau Bescheid zu Echternach, als wäre sie zehnmal schon dort gewesen! Mit großer Sorgfalt kleidete Bäreb sich heute an, wusch und kämmte sich dreimal so tüchtig als sonst. Aber der Dores wollte sich durchaus nicht waschen lassen, sein Geschrei weckte die Mutter.

Frau Huesgen kam angeschlichen im Unterrock; man sah es, wie schwach sie war, sie hielt sich kaum auf den Füßen. Sie weinte, als sie den Dores sich wie ein Tier gebärden sah; er wälzte sich auf dem Estrich und stopfte sich brüllend Sand in den Mund, und was er sonst fand an Unrat. Jesus, barmherziger Heiland, würde es denn nie besser werden mit ihm? Niemals?! Sie jammerte laut.

»Motter,« sagte die Tochter vorwurfsvoll, »ich jonn jo springe!«

Aber Frau Huesgen war heute kleinmütig. Die Kraft, die die wundersame Begegnung ihr verliehen hatte, hielt nicht immer vor; wenn es auch besser, viel besser mit ihr geworden war, heute fühlte sie doch wieder die Schwäche. Das schreckliche Brüllen der Kuh nebenan verstörte sie ganz. Wenn’s mit der Maiblum nun ebenso ging, Jesus Maria! Die war ihr einziges Hab und Gut.

Das Kathrinchen kam herein, hinter ihr her stürmte der Tönnes.

»De Doktor ös do,« kreischte er atemlos, »nu jeht er in der Stall. Ich moß kicke!« Wie der Wind fegte er wieder hinweg, um draußen an der Hecke abermals zu lauschen.

Kathrinchen aber faßte die große Schwester um den Hals und flüsterte ihr eifrig etwas ins Ohr, und Bäreb horchte und nickte verständnisinnig und lächelte dann. Sie lächelten beide. Dann lauschten sie alle; selbst der Dores, als ob er die ängstliche Spannung, die Erwartung, verstünde, ließ jetzt sein Schreien. – – –

Der Bauer Adams kraute sich in Verzweiflung den Kopf: das Kalb lag verkehrt herum, drum kam’s nicht heraus. Es hatte sich mit den Beinen verfangen, es verletzte die Kuh.

Frau Adams hielt sich die Schürze vor und weinte wie bei einer Leiche. »Eso ’n fing Kuh, oß fingste Kuh! Jesesmarijusep!«

Ihr Gejammer machte den Tierarzt nervös. »Schmeißt Euer Frau eraus!« sagte er grob zu dem Bauer.