»»Bitte für uns, heiliger Willibrord!««
Das ist der Gruß, mit dem Städter und Waller sich begrüßen. Von Gasse zu Gasse pflanzt sich das Gemurmel fort. Nun ist man am Marktplatz: Schaubude, Würfelbude, Schießbude, Schaukel, Karussell, Glücksrad, Pfefferkuchenstand, Menagerie, Wahrsagerin. Ei, was gibt’s da alles zu sehen, zu kaufen, zu naschen, zu belachen! Und dazwischen Kinder, Knaben und Mädchen, und auch viele erwachsene Leute, die sich an den Fremden heranmachen, ihn förmlich bedrängen:
»Wellt’ er mech dangen,
Fir met ze sprangen?«
Unsanft fühlte sich Bäreb vom Bruder an der Nase gerissen, sonst hätte sie noch lange gestanden und mit verwirrten Augen in das Marktgewimmel gestarrt. So etwas hatte sie noch nie gesehen, so etwas gab’s nicht in Heckenbroich, nicht einmal in der Kreisstadt. Eine neue Welt war das. Noch konnte sie sich nicht hineinfinden.
Die Herrlichkeiten des Marktes waren es weniger, die ihren Sinn verwirrten, als das Läuten der Glocken, die geschmückten Straßen, die Fahnen, die Kränze, die brennenden Lichter um Heiligenbilder. Und dann die Melodie, diese unruhig hüpfende Melodie, die, von Querpfeifen gepfiffen, von Trompeten geblasen, von Leierkasten gedudelt, überall zu vernehmen war.
Ein Trupp spielender Kinder kam jetzt gezogen; ein Kleiner voran, den Mund beschmiert mit Kirmeskuchen, schlug den Takt, und die Kameraden pfiffen und parpten, schlugen mit Deckeln und sangen dazu:
»Adam hatte sieben Söhn’,
Sieben Söhn’ hatt’ Adam,
Sieben Töchter muß er han,