Eh er sie bestaden kann!«

Aus einem geöffneten Fenster drang in rauschender Reihenfolge von Tönen, auf die Tasten getrommelt, die gleiche Weise an Bärebs Ohr. Und wenn das Stück zu Ende war, fing es wieder von vorne an; immer von neuem, immer von neuem, und immer dasselbe.

Bäreb hätte sich die Ohren zuhalten mögen. Nun fiedelte irgendwo noch eine Violine. Ein Quinkelieren ohne Ende, ein Hämmern, ein Tuten, ein Dudeln, ein Kratzen; man wurde taub davon. Was war das?! Man konnte nicht sagen, woher es kam – Bäreb drehte sich wie ein Kreisel, bald hierhin, bald dorthin – ganz Echternach war voll der Melodie. Von den schwarzgrauen Dächern kam sie nieder, aus dem zerstampften Pflaster stieg sie auf, um alle Ecken zog sie, aus allen Fenstern flog sie, die Luft war dick von ihr.

»Pä, pä!« Dores hob lauschend das Fingerchen; er mochte Musik gern leiden, er fing an zu hüpfen auf der Schwester Arm.

Was war das, was war das?! Bäreb riß die erschrockenen Augen noch größer auf; in ihren Schläfen stach es, in ihren Ohren surrte es, ihr Kopf dröhnte, als schlüge darin einer mit Hämmern auf Eisen, und in ihren Füßen zuckte es. Jesus Maria, was war das denn? Das quälte ja so!

Sie wollte entfliehen und war doch froh, daß sie gegen den dicken Mann anrannte, den sie kannte. »Wat es dat? Hört doch!« sagte sie und drängte sich an ihn.

Er lachte froh: »Dat is der Springprozessionsmarsch, Mädche, da springen mir all morjen nach! Adam hatte sieben Söhn,« fing er an zu trällern und probierte mit seinen dicken Beinen einen flotten Hüpfschritt.

War der nicht recht bei Trost oder hatte er sich betrunken? Ganz scheu guckte Bäreb ihn an.

Er aber strich ihr freundlich die Wange: »No, Mädche, du kuckst ja ganz verdattert? Wo giehste eweil hin mit ’m Brüderche? Komm noren, eich will dech traktieren!«

Gutmütig führte er die Willenlose mit sich fort. Ja, essen wollte sie gern etwas, und sie war auch sehr müde. Er führte sie in ein Bierhaus am Markt. Da gab’s den ganzen Tag warme Würste, und dem Dores, der schon alles mit den Augen verschlang, ließ er eine Suppe bringen und ein großes Stück Kirmeskuchen. Bäreb aß und trank, trank mehr als sie aß; Hunger hatte sie eigentlich doch nicht, sie hatte Brot genug gehabt, aber Durst quälte sie, ein furchtbarer Durst, der ihre Kehle ganz austrocknete. All der Staub, den sie hatte schlucken müssen, saß ihr noch darin. Auch der Dicke hatte einen gewaltigen Durst, und so alle, die um sie her saßen.