»Heiliger Willibrord, bitt für uns, –
Bitte für uns, heiliger Willibrord!«
Da war es wieder, das gewohnte Gemurmel. Mit ausgeruhter Stimme fiel Bäreb ein. Dabei glitten ihre Augen rastlos umher: es gab so viel, zu viel zu sehen beim heiligen Willibrord.
Da waren Buden am Fuß der großen Treppe, Buden über Buden mit Rosenkränzen – solche aus weißen Perlen, solche aus blauen Perlen und duftende braune aus Rosenholz – und Weihwasserkesselchen gab es da, und Betbücher, und Heiligenlegenden mit bunten Bildern, und Willibrord-Statuen aus Porzellan und Stuck; und noch viel mehr der heiligen Andenken an Echternach.
Sie raffte sich gewaltsam aus ihrer Zerstreuung auf. In die Pfarrkirche sich drängend zwischen allem Volk, kniete sie nieder, wo es gerade war, schlug ihr Büchlein auf und begrüßte den Heiligen demütig:
»Sei mir gegrüßt, großer Freund Gottes, heiliger Willibrord, der du von den Gläubigen in dieser Kirche besonders verehrt und angerufen wirst. Dir zu Ehren bin ich hierher gewallt und hoffe zuversichtlich, ich werde durch deine Fürsprache von Gott Gnade und Erlösung erlangen.«
Rote und blaue zuckende Lichter fielen durch die bunten Kirchenfenster auf das St. Willibrordus Büchlein. Geblendet stierte Bäreb hinein, sie konnte nicht weiterlesen. Ach, das war keine Andacht, die war ja hier nicht möglich! Mit Scharren und Trappeln, mit Murmeln und Seufzern zogen tausend bei ihr vorüber. In endloser Prozession zu zweien und dreien; Väter und Mütter mit ihren Kindern, Greise und Greisinnen wankend am Stabe, Arme und Kranke, Junge und Alte, Aufrechte und Verkrüppelte, alle zogen sie hintereinander durchs Kirchenschiff zum Grab des heiligen Willibrord.
Bäreb stellte den Dores auf die Beine: hin, hin! Er stolperte eilig auf seinen wackligen Füßchen, er kam sich selber nicht rasch genug voran. »Pä, pä!« Er riß sie vorwärts mit ungeduldigem Straucheln.
Da lag St. Willibrordus auf seinem vergoldeten Sarg, aus Holz geschnitzt, wie ein Bischof angetan, ein wenig aufgerichtet, gerade so, als wäre er lebend. Im Schauer der Ehrfurcht neigte sich jedermann.
»Heiliger Willibrord, bitt für uns,