Bitte für uns, heiliger Willibrord!«
Das Schiff der Kirche war erfüllt vom steigenden Murmeln, hundertfach, tausendfach; die Wölbung, gegen die es anstieß, hallte es noch dreifach zurück. Um das Grab herum, hinter dem Altar her, immer:
»Heiliger Willibrord, heiliger Willibrord!«
Bäreb hätte noch gern länger am Grabe verweilt. Ach, wenn der Dores nur das äußerste Eckchen des Sarges anrühren könnte! Aber die Menge stieß sie weiter, um das Grab herum, hinter dem Altar her, und hinein in die Sakristei.
Da saßen am Tische die Priester, feierlich ernst, ohne Wort und ganz vertieft in ihr Geschäft. Hunderte, tausende von Händen streckten sich – eine Hand nach der anderen legte die Opferspende dem heiligen Willibrord fromm auf den Tisch.
»Wir bitten dich, heiliger Willibrord, erhöre uns!«
Zur einen Tür herein, zur anderen Tür heraus; es entstand kein Gedränge. Alles ging still vor sich, nur das Geld klapperte und klingelte auf dem Tisch.
Auch Bäreb nahte dem Tische. Nah vor ihr war die Frau mit dem Kropf, sie konnte gut sehen, was die opferte: einen harten Taler! Und andere gaben nicht weniger. Da, die Frau mit dem blonden Mädchen legte ein blinkendes Goldstück hin, und dort ein Herr gab gar ein paar solcher goldenen Dinger! Bäreb erschrak bis ins innerste Herz: soviel hatte sie nicht. Was sollte sie tun?! Aber am Ende besann sie sich: wer nicht viel hat, kann nicht viel geben, auch geringere Scherflein nahm der heilige Willibrord.
»Heiliger Willibrord, bitte für uns!«
Mit Mut und Entschlossenheit fuhr sie in die Tasche – da hatte sie die Mark, ihre einzige Mark, die ihr noch übrig geblieben war, erfaßt. Mit der Linken ihr Brüderchen an sich ziehend, trat sie vor und legte mit der zitternden Rechten ihre Mark auf den Opfertisch. Die klimperte nicht hell wie ein größeres Silberstück. Bäreb wurde rot und dann blaß; ihr war es, als habe der geistliche Herr sie einen Augenblick streng angesehen. Hatte sie denn nichts, gar nichts mehr, hatte sie denn auch alles, alles geopfert? Heiliger Willibrord! Noch einmal fuhr sie mit Hast in die Tasche – da, noch ein Fünfzigpfennigstück! Sie gab auch dieses.